Mühe und Freundlichkeit überall
15. Mai 2012 von Jan FeddersenDer erste Tag in Baku – eine Millionenstadt noch weit hinter dem Schwarzen Meer. Das Abenteuer beginnt mit einer unproblematischen Einreise. So sagen alle, die am Flughafen dennoch ein wenig irrlichternd herumlaufen, weil sie noch nicht wissen, wie sie in ihre Herbergen kommen sollen.

Mit dem Shuttlebus geht es schließlich in die Stadt. Auf den ersten Kilometern erzählt die junge freiwillige Helferin, wie sehr das alles, was jetzt in Baku organisiert wurde, von guten Unternehmen ermöglicht wurde: von Telefongesellschaften, von der Regierung und anderen Sponsoren sondergleichen. Und abends, so wird einem versichert, sei man sicher. Wie sieht die Dauerbehütung aus? Beim betreuten Schlendern kommt der Besucher an kleinen Polizeihäuschen vorbei, in denen uniformierte Männer beisammen sitzen und wahrscheinlich aufpassen.
Wie Baku insgesamt wirkt? Wahrscheinlich darf man das nicht offen aussprechen, weil wir doch in Deutschland so heftig über Boykott, Ächtung bis hin zur Disqualifikation debattiert haben – aber Baku, so der erste Eindruck, ist hübsch. Beige bis bräunlich sehen die Fassaden aus, überall wird gebaut. Protzige neue Bauten, hoch und höher und über allem ragen die drei Flammenhochhäuser, die wie auf die Spitze gestellte Nieren aussehen.
Doch in der Halle und in der Stadt ist alles, vorläufig noch, etwas irr und wirr. Technische Probleme drinnen und draußen ist der Himmel etwas diesig. Die Sonne scheint zwar tüchtig, aber sie kommt durch den Dauerdunst nicht so recht durch. Und es staubt und stäubt sehr. Überall Baustellen, das Geld der Ölförderung scheint unmittelbar in metropole Vorzeigbarkeit zu fließen. Dass da einige Häuser auf demokratisch unschöne Weise geräumt werden mussten, versichert mir ein Offizieller, sei dem Tempo des Aufschwungs geschuldet. Und ja, seinen Namen möchte er bitte nicht nennen, er wolle nichts riskieren.
Trotzdem scheinen Fans und Journalisten im Großen und Kleinen zufrieden – es gibt in allen Bereichen mehr HelferInnen in roten Polohemden als ESC-Journalisten und -Fans. Mich erinnert dieses Heer der Helfenden an den ESC 1999 in Israel. Damals, in Jerusalem, lebte alles inmitten einer Schar von sehr jungen Volunteers. Shalom – das ist hebräisch für Frieden – wünschte man ihnen damals, nur etwa ein Jahr vor Beginn der zweiten Intifada.
Und heute? Aserbaidschan und der ESC 2012 – noch ist nicht entschieden, ob es ein guter Jahrgang wird. Einige sagen: Na klar, wie immer, zumindest musikalisch. Gleich beginnt die Probe von Joan Franka aus den Niederlanden. Keine Tonstörungen heute!









Jan Feddersen verfolgt den ESC seit seiner Kindheit. In Hamburg geboren und aufgewachsen, sah er dort seinen ersten Grand Prix. Er hat unzählige Entscheidungen vor dem Fernseher verfolgt, seit vielen Jahren reist er zum Finale des Eurovision Song Contest, um von dort zu berichten und zu bloggen.