Leonie und Rachel – tapfere Talente

26. Januar 2012 von Jan Feddersen

Ach, es hat ihnen nichts genutzt: Nicht Leonie die Brille, nicht Rachel die heftig aufgelockte Haarpracht. Sie blieben auf der Strecke, sie belegten die Plätze 9 und 10. Bei Leonie dachte ich mir das schon. Ihr “I Love Your Smile” von Charlie Winston schmeckte, obwohl es von der Jury gelobt wurde, ein wenig fade – man mochte ihrer Aussage nicht so recht glauben, ihr fehlte, nun ja, so etwas wie Inbrunst und Glaubwürdigkeit.

Leonie Burgmer bei der dritten USFB-Show. Foto: Willi Weber

Rachel, ebenfalls gelobt, blieb auf der Strecke, wobei sie sich denken wird in ihrem Grimm, dass die langsame Nummer vielleicht die falsche war. Nein, das soll sie sich mal aus dem Kopf schlagen. Letztlich hing es an der Telefoniergeschwindigkeit ihrer Freunde, und die scheinen gelahmt zu haben. Denn selbst Roman Lob, auf den ich noch zu sprechen kommen werde, lag am Ende der Show zwar auf dem ersten Rang, gleichwohl hatte er kaum mehr als zwei Prozent als die ausgeschiedenen Sangesdamen.

Nun ja, alles in allem hat das Ranking Sinn gemacht. Nur dass Sebastian Dey mit seinem selbstkomponierten Titel “Amnesie” weiter kam, gibt mir Rätsel auf: Schon wieder wurde sein Hut nicht abgestraft. Und dass er kein Charisma hat: Merkt das niemand? Oder blieb er übrig, weil die anderen sich die Stimmen wegnahmen? Nichts gegen ihn persönlich. Aber der soll in Baku performen? Ich schätze, man hievte ihn hoch, weil er es mit einem eigenen Song riskierte.

Aber das Verblüffende, besser: das absolut nicht Überraschende war Roman Lob, der schon nach dem ersten Voting, das ja noch ohne Sangesleistung ausgewiesen wird, haushoch vorne lag. Sein Titel “Easy”, da hatte Stefan Raab Recht, war von den Commodores auch nicht fülliger, geschmeidiger und schöner vorgetragen worden. Yana Gercke, die es mit dem Police-Titel “Roxanne” probierte, war ebenso den anderen überlegen – aber das, was ihre Stimme, so Raab, an (nicht missverstehen: gutem) Schmutz transportiert, könnte mit der Zeit auf die Nerven gehen.

Shelly, Katja, Céline, Ornella und Umut … Okay, sehr okay. Aber so richtig vom Hocker rissen sie auch nicht, auch nicht die Chanteuse, die vorige Woche noch Amy Winehouse ehrte: Shelly, die wieder gut war … aber berührend? Ich hege meine Zweifel.

Meine Kandidaten für die nächste Runde, dass es für sie die letzte werden könnte, sind Sebastian und Katja. Doch: Es wirkte auch heute Abend ein bisschen zufällig in puncto Wertung. Roman Lob und Yana Gercke lagen nie auf den Abstiegsplätzen – und das ist für mich das Zeichen, dass sie es gar in die letzten zwei Runden schaffen werden. Sie sind besser als die anderen, obendrein haben sie inzwischen eine Fanbase: Das ist auch nicht zu verachten als Support.

Die Juroren? Man muss wieder über Raab sprechen. Er kommentierte die letzten Wertungsminuten nichts mehr – er gab Steven Gätjen und Sandra Rieß freimütig zu, nur noch gespannt auf das Resultat zu warten.

Das Lob des Abends gebührt Leonie und Rachel: es waren tapfere Talente. Sie können sich jetzt wieder auf alles konzentrieren, was nicht das Showbusiness ist.

Prima kaukasischer Pomp

26. Januar 2012 von Jan Feddersen

Wie das Fest gestern Abend war? Wäre man charakterlich nichts als böse, würde man sagen: Das Englisch der Moderatoren wirkte wie absolut unverstanden, auswendig gelernt; ihre Mienen spiegelten kein Wort dessen, was sie gerade sagten. Die Festhalle der Schlüsselübergabezeremonie erinnerte außerdem mehr als nur leicht an eine viel zu hohe Aula; Menschen saßen an runden Tischen, diese wiederum standen offenbar sehr weit voneinander entfernt. Alles hatte den Anschein, als müsste etwas großzügig gefüllt werden, als müsste über eine gewisse Leere hinweggetäuscht werden.

Die Schlüsselei, sagen wir mal so, hatte einen Moment von Komik an sich: Wenn man schon die Momente der Olympischen Spiele nachspielt, muss es auch so aussehen – aber vielleicht war Dirk Elbers aus Düsseldorf auch so spät erst eingeflogen, dass die Generalprobe für die Zeremonie ein wenig zu knapp bemessen war, zeitlich gesehen. Und dann die Auslosung – plötzlich wirkten andere Lotterien wie auf Speed, die zum Beispiel, bei denen es um Lottozahlen geht. Und das soll doch was heißen, oder? Schließlich die musikalischen Einlagen: sehr playbackhaft – und Alexander Rybak ohne seine Choristinnen und Tänzer, das hatte etwas sehr Einsames und Deprimierendes. Und an Ruslana erkannte man: Auch Sterne verglühen, so rein äußerlich.

Bühne in Baku

Bühne in Baku bei der Schlüsselübergabezeremonie und dem Halbfinale am 25. Januar 2012.

Aber es war dennoch schön, und dafür muss man, wie ich, etwas lieben, was gerade nicht hoch im Kurs steht: den schönen Schein. All diese touristischen Filme von Aserbaidschan, die wir vorgeführt bekamen. Bäche in den Bergen, Strände (naja, so ganz perlweiß waren sie nicht; vielleicht fehlt es an dekorierender Farbe), Menschen, die in Wäldern grillen, schöne Gebäude in Baku. Will sagen: Es war wie früher, als zwischen den Liedern beim Grand Prix Werbefilmchen für das Land, in dem das Festival gerade stattfindet, ausgestrahlt werden.

Nun darf man sagen: Ist denn Aserbaidschan wirklich so schön? Ist die politische Realität nicht beklagenswert? Ja, das ist sie – aber Oberfläche bleibt Oberfläche: Und Politik kann doch nicht überall sein! Auch die sinfonische Musik – sie schien ausgestorben beim ESC, aber die Verantwortlichen in Baku mögen sie, sie halten sie vielleicht für ultrafestlich. Ja, das hatte etwas Steifes, Metallisches auch – jedoch, ich betone es wieder, das ist nicht zu kritisieren: Es ist alles vielmehr ein Symbol, dass die Organisatoren es uns schön machen wollen und dass sie sich Mühe geben. Nein, man kann doch nicht verlangen, dass die Bakunenser sich schon vor dem ESC, also vor den Gästen, wenn sie denn erst mal da sind, schon in den Staub werfen und signalisieren: Oh, Verzeihung, bei uns ist alles im Aufbruch und alles noch ein wenig provisorisch! Ich bitte Sie!

Eine Bemerkung noch zu den Tänzern, die kaukasischen Kasatschok darboten, gymnastisch und so perfekt wie ein Ensemble einer chinesischen Oper: Man erkannte leider nicht, ob das, was sie auf den Köpfen trugen, Frisuren waren, landestypische, oder Pelzhüte (aus Acryl?). Hat da jemand Genaueres erkannt?

Die Halle, die wir auf Bildern erkannten? Wirklich beeindruckend!

Und die Halbfinals? Lief wie eine einstudierte Übung. Deutschland war ohnehin auf Wunsch der ARD ins zweite Halbfinale gesetzt worden. San Marino ist im ersten Durchlauf, es darf sich wenigstens Punkte der italienischen Juroren erhoffen, die werten schon am Dienstag. Israel performt dann auch; auffällig war mir, dass Russland, im ersten Halbfinale, nur ein Land noch als Verbündeten weiß, nämlich Moldau, aber zugleich eben Israel, Zypern und Lettland mit von der Partie wissen kann – Länder, in denen große russische oder russischstämmige Communities leben. Unsere alpinen Nachbarn, die Schweiz und Österreich, kriegen vorläufig keine Punkte aus Deutschland, die sind nämlich schon am 22. Mai mit dem Qualifizieren dran. Dafür hören wir den Niederländern zu, das ist auch gut.

Alles in allem ein würdiger Abend.

P.S.: Heute abend werden aus zehn Kandidierenden zwei ausgesiebt. Keine Ahnung, wen den Schicksal trifft. Eigentlich geht es nur darum: Schafft es Roman Lob wieder zu überzeugen? Und was hält Shelly als Trumpf parat?

Raus aus dem Untergrund

25. Januar 2012 von Jan Feddersen

Soll noch mal einer sagen, dass der ESC, was Glamour und Präsenzvermögen anbetrifft, könne nicht prunken.

Heute Abend wird in Baku feierlich der Schlüssel des ESC - Achtung: hoher Symbolwert, nicht zum echten Aufschließen geeignet! – durch den Düsseldorfer Bürgermeister Dirk Elbers an seinen bakunensischen Amtskollegen übergeben. In zwar in einer feierlichen Zeremonie, bei der sowohl die Halle des Events im Mai präsentiert wird, bei der Stars wie Alexander Rybak und Lena Meyer-Landrut auftreten werden und etliche andere auch. Das ist schon ein echter Fortschritt: 1983, in München, gab der Bayerische Rundfunk in einer mageren Pressemitteilung bekannt, dass man den Grand Prix Eurovision ausrichten werde – und kein Festakt krönte diese Bekanntgabe, keine Flower Ceremony, bei der ein Mensch aus Harrogate den Oberbürgermeister der bayerischen Landeshauptstadt trifft und zarte Osterglocken überreichte. 

Vor einem knappen Jahr: NDR-Intendant Lutz Marmor und Düsseldorfs Bürgermeister Dirk Elbers mit dem Schlüssel für die Arena in Düsseldorf. Foto: dpa

Vor einem knappen Jahr: NDR-Intendant Lutz Marmor und Düsseldorfs Bürgermeister Dirk Elbers mit dem Schlüssel für die Arena in Düsseldorf. Foto: dpa

Und, noch wichtiger noch in diesem Zeitalter immer neuer medialer Möglichkeiten und Bühnen: Alles wird, auch auf eurovision.de, per Livestream übertragen. Man bedenke immer, dass Baku uns drei Stunden in der Uhr voraus ist: Der Livestream beginnt schon um 17 Uhr.

Dass bei diesem Treffen von Prominenten, TV-Funktionären und Interessierten auch gearbeitet wird, versteht sich fast von allein: Die Reference Group tagt ja auch, das heißt die Regierung des ESC, zu der auch ein Vertreter des NDR mit zählt, weil die ARD den letzten Eurovision Song Contest ausrichtete. Sie wird die Auslosung der Halbfinals besorgen, also klären, welches Land in welcher der Qualifikationsrunden antreten wird.  Also: Wird die Türkei auf Griechenland treffen oder Zypern . Und sie hat soeben bekannt gegeben, dass tatsächlich die vom deutschen Unternehmen Alpine Bau zu errichtende ”Christal Hall” der Austragungsort des ESC 2012 sein wird.

Ich würde sagen: Die Höhepunkte der diesjährigen ESC-Saison werden jetzt eingeläutet, weit hinten im Kaukasus, ohne technische Pannen sogar bis Island, Portugal – und wer über einen leistungsfähigen Computer samt Wlan verfügt, bis in alle Welt.

P.S.: Immer noch wird sich der Düsseldorfer Bürgermeister fragen: Hatten wir jetzt ein gutes Jahr oder nicht? Sagen wir es offen: Er hat mit der Übergabe des Schlüssels gen Baku wenigstens in Sachen Entertainment die beste Zeit seines Lebens hinter sich. Er hat alles würdig und gut gemacht – Glückwunsch. 

Eurovisionäre Zickenkriege

23. Januar 2012 von Jan Feddersen

Diese SMS fand ich in der Nacht auf Sonntag auf meinem Telefon: “Ich hoffe, wir kommen schlecht in deinem Blog weg. DK 2012 ist zum …” Nun, die drei Punkte bezeichnen ein Wort, das entweder aus wütendstem Gemüt oder aus der Gosse, vielleicht aus beiden Quellen stammt. Jedenfalls ist es schon der sprachlichen Ziemlichkeit wegen unschicklich, es zu zitieren.

Soluna Samay freut sich über ihren Sieg beim Dansk Melodi Grand Prix. Foto: EBU

Aber es steht fest: Dänemarks Siegerin vom Samstag, die guatemaltekische Dänin Soluna Samay mit ihrem Titel “Should have known better” (Ich hätte es besser wissen müssen) mag am Ende des Abends der Kompromiss zwischen Televoting und internationaler Jury gewesen sein. Aber sie wird offenbar nicht von den Fans geliebt, wenigstens nicht von den dänischen. Ja, es ist gar die Rede davon, dass Frau Samay “eine Bergendahl” sei – zur Erinnerung an jene bedauernswerte schwedische Chanteuse, die vor zwei Jahren ihrem Land erstmals die Schmach bereitete, nicht das Finale zu erreichen. Und damit komme ich wieder zu jener SMS, die mir in einer Aufwallung von Empörung geschickt wurde von meinem Freund Ida aus Kopenhagen – denn die Bergendahl fand ich mehr als okay und finalwürdig. Ihr Lied, “This is my Life”, war hübscher, zeitgenössischer Pop und die Performance auch mindestens sattelfest.

Was, andererseits, stört die Fans an einer Sängerin wie Soluna Samay, die hoffentlich ins Finale von Baku kommt? Woher kommt Aversion gegen dieses Lied, dargeboten von einer jungen Frau mit Kapitänsmütze und einer Jacke mit Epauletten? Ich würde sagen: Man nimmt ihr übel, dass sie keinen skandinavischen (oder sonstwie eurovisionären) Dancefloor-Discopop serviert. Sondern eben so singt, wie viele junge Frauen in den Charts es momentan so tun – zur Gitarre, leicht wehklagend. Irgendwie in der Nachfolge von Amy McDonald, würde ich sagen, nach etlichen Versuchen, mich dem dänischen Baku-Lied zu nähern.

Was also macht aus Fans Zicken, die gegen den Beitrag ihres eigenen Landes in den Krieg ziehen? Können sie das Votum der Zuschauer nicht akzeptieren? Nicht sehen, dass die Fanperspektive meist nicht jene des gesamten Publikums ist? Nein, die Bergendahl wird sie nicht geben, die blonde Sängerin aus Kopenhagen, sie erreicht, meiner möglicherweise irrigen Prognose nach, das Finale am Abend des 26. Mai. Ihr Lied ist vielleicht ein wenig konventionell, ja, langweilig auf die Dauer. Aber eine Hera Björk, die die Fans liebten, die hat doch auch keine Rosenstöcke zum Blühen gebracht, oder?

Ein Zickenkrieg auf anderer Ebene liefert momentan die Türkei. Und zwar, ohne dass ein Lied aus dem ruhmreichen Land des ESC schon bekannt wäre. Denn bestellt wurde als Kandidat der Sänger Can Bonomo, der jung ist und keine weitere Meriten im Popgeschäft sammelte, aber, daran entzündete sich einiges Mosern und Meckern im Lande, jüdisch ist. Er stammt aus einer Familie von jüdischen Türken, deren Vorfahren vor langer Zeit aus Spanien vor Katholiken und Muslimen flüchten mussten. Bonomo erklärte, seine kulturellen oder religiösen Wurzeln spielten keine Rolle, er sei Türke. Man merkte gegen ihn an, ein überwiegend muslimisches Land könne nicht von einem Menschen aus einer anderen Tradition repräsentiert werden.

Ist das nicht irre? Das wäre so, als ob aus Deutschland niemand zum ESC fahren darf, der nicht christlich ist. Die Türkei hat offenbar noch Nachholbedarf im Lernen von multikultureller Liberalität. Dazu passt auch die Meldung, dass der türkische Rockstar Kirac nicht für sein Land ins Rennen gehen wollte – er hätte nur auf Türkisch, nicht auf Englisch singen wollen. Zu Kirac lässt sich nur sagen: Wer nicht will, der hat schon.

Und Can Bonomo – der wird schon ein prima Lied auf die Stimme geschneidert kriegen. Vorläufig, hörte man, ist er vor Freude nervlich sehr zerrüttet. Wir fiebern am besten mal mit ihm!

Vera ist zu Recht geschockt!

19. Januar 2012 von Jan Feddersen

Na, da guckte sie aber, als wüsste sie nicht, verblüfft zu sein oder fundamentalgeschockt: Vera, die doch soviel Lob von den Juroren erhielt, die außer Hochdeutsch offenbar alles kann, landete in allerletzter Sekunde auf dem sechsten Platz – also kann sie sich jetzt wieder auf ihr Examen für den Lehrerinnenberuf konzentrieren und muss sich die Show aus Baku auf jeden Fall nicht dortselbst anschauen. Man könnte meinen: Mit ihr wurde eine Kandidatin nicht weitergewählt, weil sie zu lange Haare trug, so, wie in der vorigen Sendung Kai dafür belangt wurde, eine dieser typischen Kaffeemützen auf dem Kopf getragen zu haben.

Wie dem auch sei: Ich bin zufrieden. Rachel, wie der frühere Grand-Prix-Kommentator Ado Schlier formuliert hätte, genoss als Kölnerin Heimvorteil, ihr künstlerischer Nippes, um es mal zu kalauern, aus etwas dünnem Soul und stark körperlicher Begeisterung ließ sie, ebenfalls in letzter Sekunde siegen.

Dass Yana weiterkommen würde, war klar, ebenso, dass Ornella mit diesem gewissen Kate-Bush-Kick in der Stimme in der nächsten Runde ist. Gut so! Umut muss an seiner Schüchternheit nicht so sehr arbeiten, aber an der Stimme – auch ihm kann sich irgendwann das Wort vom Oktavenreichtum erschließen. Noch aber kam er seiner wirklich scheuen Augen wegen weiter. Sebastian? Geschmackssache. Ich lehne Hüte ab! Aber er wird noch eine schöne nächste Runde erleben, dann wird er an seine Grenzen gelangen, schätzungsweise.

Insgesamt war diese zweite Folge straffer gehalten – sie dauerte auch fast 25 Minuten kürzer. Die Moderation – Herr Gätjen, besonderes Kompliment, echt nüchtern, neutral und doch nicht kalt! – war okay, die Jury litt auch nicht mehr so sehr an Selbstbetrunkenheit. An Raabs Meckerei, nachdem Thomas D den einen Sänger einfach nur “geil” fand und fragte, ob er als Mann das dürfe, gehen wir später ein. Aber: Alles sehr kurzweilig – und zugleich könnte sich herauskristallisiert haben, dass Shelly, Roman, Yana und Ornella im Halbfinale landen könnten – sie waren die stärksten, und Yana, die Jennifer dieser Saison, kann echt viel, vor allem sehr viele performativen Stile, aber am ehesten gefiel mir ihre Kampfeslust: Sie wirkte, als würde sie wirklich das Ding gewinnen wollen.

Nicht das Allerschlechteste, um uns einzunehmen.

Das “Blitztabellen”-Verfahren schien und scheint sich etabliert zu haben: Der Schock, es sportlich nehmen zu müssen, war bei den Kandidierenden nicht mehr spürbar. Wenngleich: Umut hat in Sachen Lampenfieber neue Standards gesetzt. Prima Abend!

Kannibalisierung der Kunst?

19. Januar 2012 von Jan Feddersen

Ein Umstand war in diesem Blog bei niemandem eine größere Erwähnung wert, keiner wusste dies heftig zu kritisieren – bis auf einen Freund, der “Unser Star für Baku” im Internet von Guernsey aus gesehen hatte. Bei einer Tasse Tee, an einem sturmumtosten Tag im englischen Kanal, schrieb er mir: “Das ist doch eine Verhöhnung der Idee eines Liederwettbewerbs, wenn das Publikum schon vor dem Spielen der ersten Note seine Sympathien verteilen darf – und zwar, ohne dass diese ersten Voten hinterher aus dem Gesamtergebnis getilgt werden.” Weiter schrieb er mir, deutlich wütend im Ton: “Es ist eine Kannibalisierung künstlerischer Bemühungen, wenn jene, die am wenigsten Anfangssympathie erhielten, gleich zum Auftakt singen müssen – und dieser Druck erklärt auch, warum der bedauernswerte Jan, der den Rocker gab, so schlecht war.” Nun, ich erwiderte, dass dieser Jan, der so viele Vorschusslorbeeren erhielt, offenbar das falsche Lied mit falschen Tönen sang – und deshalb die Anfangsskepsis des Publikums bestätigte.

Vorstellungsrunde bei der ersten Show: Der erste Eindruck zählt. Bild: Willi Weber/Pro Sieben

Vorstellungsrunde bei der ersten Show: Der erste Eindruck zählt. Bild: Willi Weber/Pro Sieben

Aber nun zur eigentlichen – sagen wir: wissenschaftlichen – Analyse. Stefan Raab, der sich dieses Verfahren vom Biathlon abgeguckt haben will, hat es eingeführt, weil er der größte Realist unter der Fernsehsonne ist. Er weiß, ohne das genau öffentlich formuliert zu haben: Ein jeder, eine jede von uns hat von einem Menschen, mit dem er oder sie in Kontakt kommen könnte, nur die oberflächlichsten Informationen. Wie sollte das anders sein? Sympathien werden von allen Menschen in Sekundenbruchteilen verschenkt – oder auch nicht. Und dieses anthropologisch anmutende Gesetz funktioniert natürlich beim flüchtigen Medium Fernsehen nur noch drastischer. Die “Tagesschau”, um ein offiziell-offiziöses Beispiel zu nehmen, wird gern geguckt (der Marktführer unter den Infosendungen), weil man die Sprecher und Sprecherinnen gut findet. Und zwar auf Anhieb. Der Fluss der Nachrichten ist fast zweitrangig – “the medium is the message”, sagte der Medientheoretiker Marshall McLuhan. Das heißt: Ob man eine Person gut findet oder nicht, entscheidet sich in unserem Unterbewussten, das entzieht sich unserer persönlichen Wahl. Jede Spielart von Psychologie bestätigt diesen Befund: Nur mühsam können abgelehnte Menschen durch charakterliche Gutherzigkeiten den einmal getroffenen Eindruck mildern oder gar tilgen.

Beim Fernsehen ist das ähnlich: Lena Meyer-Landrut war einfach die Kandidatin, die dem Publikum am sympathischsten war – ihre Lieder schienen das zu bestätigen. Dass die spätere ESC-Siegerin die seltsamsten Chansons aus den Independentcharts sang, machte gar nichts: Ihr verzieh man selbst, dass sie bizarre Beiträge ablieferte. Die Aura der Person macht den Pfiff aus – und lässt andere Menschen, also uns Zuschauer, für sie anrufen oder smsen.

Insofern ist es nur konsequent – wie es heute Abend ebenso der Fall sein wird – für die Kandidierenden schon vor dem ersten Auftritt abstimmen zu lassen. Man wählt aus, was einem “eye candy” ist, Augenfutter sozusagen.

Nun würde mein guter alter Bekannter in der normannischen See sagen: Das ist eine grobe Verfälschung der alten Regeln, auf die der Grand Prix Eurovision noch schwor. Ich würde sagen: Irrtum, eine Illusion. All jene, die siegten, taten dies, weil sie sympathisch wirkten, weil sie für sich einzunehmen wussten. Man stelle sich vor, Atlantis 2000 hätte es schon 1974 gegeben – und hätten “Waterloo” performt. Ich würde sagen: Bei aller Liebe zum schwedischen Stoff des Pop, aber sie wären dort gelandet, wo sie auch 1991 endeten – ganz weit hinten. Oder “De troubadour” von Lenny Kuhr, “Ne partez pas sans moi” von Céline Dion oder “Fly On The Wings Of Love” der Olsen-Brüder: Hübsche Lieder, aber mit geringerem Gewicht versehen, wenn sie von Personen auf die Bühne gebracht worden wären, die dem Publikum nicht so anmutig, sympathisch, angenehm oder einfach magisch erschienen wären.

Insofern: Das Verfahren, vor dem ersten Ton die Kandidierenden durchs Fegefeuer des Televoting schicken zu lassen, ist keine Kannibalisierung, sondern nur das Gerechte, das Naheliegende. Es ist eben die Mixtur aus Performance und Persönlichkeit mit einem Lied. Darauf eine Tasse Tee!

Armenien kommt doch nach Baku

17. Januar 2012 von Jan Feddersen

Das ist die Nachricht des Tages – Armenien, politischer Dauerfeind Aserbaidschans, wird Baku nicht meiden. Wie die European Broadcasting Union heute mitteilte, sind es 43 Länder, die in der aserbaidschanischen Hauptstadt an den Start gehen werden. Bis auf Italien, Deutschland, Frankreich, Spanien und das Vereinigte Königreich sowie Gastgeber Aserbaidschan müssen sie alle zunächst durch eines der Halbfinals am 22. und 24. Mai. Montenegro ist wieder mit von der Partie, Tschechien pausiert weiterhin, Österreich ist noch nicht wieder beleidigt und dabei – und Italien, wie auch San Marino, hat seine Teilnahme ebenfalls hochoffiziell bestätigt. Okay, Andorra, Monaco und Luxemburg fehlen weiterhin, aber dass Armenien, der Erzfeind, das Land des Teufels schlechthin aus Perspektive des Kaspischen Meeres, teilnimmt, ist politisch von Größe.

Wir erinnern uns: Die Türkei und Griechenland haben sich jahrelang, das war in den Siebzigern, gemieden, sofern der eine teilnimmt – und der andere dann eben nicht. Auch Israel ist so ein Dauerthema. Einige arabische Länder würden ja gern, aber solange dieser jüdische Staat mitwirkt, war und wird mit ihnen nicht zu rechnen sein, nicht Tunesien, nicht der Libanon oder auch nicht Algerien oder Marokko.

Armenien, das ebenfalls zur Erinnerung, bekam aus Aserbaidschan nie Punkte, und umgekehrt war es, meiner Übersicht zufolge, ebenso. Ictimai TV, der dieses Jahr gastgebende Sender, hat sogar Auftritte Armeniens überblendet oder schlicht übersehen. Man ist sich wegen eines Stücks Land in Aserbaidschan (Berg-Karabach) nicht einig – es brodelt in den kaukasischen Gebirgen.

Wir dürfen gespannt sein, wie es in der real existierenden ESC-Wirklichkeit in der Bakuer ESC-Zeit aussehen wird. Werden Armenier gemobbt? Kriegen sie schlechtere Bühnenbedingungen? Das können sich die Aseris nicht leisten, würde ich sagen. Und: Armenien hatte andererseits keine Wahl, als den Tripp nach Baku zu wagen. Denn um im Jahre 2013 überhaupt mitmachen zu dürfen, muss man selbst das Festival im heimischen Sendegebiet ausgestrahlt haben. Also: Eriwan hätte so oder so Baku nicht ignorieren können.

Insofern: Schön, dass es dieses Jahr wieder 43 sind!

P.S.: Die Auslosung darüber, welches Land in welchem Halbfinale zur Finalqualifikation antreten muss, findet Ende dieses Monats statt. Dann wissen wir noch weiteres mehr.

Albanien gewinnt sowieso!

16. Januar 2012 von Jan Feddersen

Ich fand – und finde! – die Debatte in diesem Forum nach dem ersten Durchgang von “Unser Star für Baku” ziemlich bemerkenswert: Kommentar für Kommentar. Die meisten blieben sachlich und nur gelegentlich wurden manche bösartig.

Auch diese gute, angemessene Tonlage hat ein Freund von mir aus St. Pölten gemeint, als er mir schrieb: ihr Deutschen, ihr Piefkes, ihr habt es gut. Bei ihnen in Österreich, da manipuliere der ORF mit Hilfe von Wildcards und anderen Tricks, auf dass kein vernünftiger Act für Baku gelingt. Ich möchte erwidern: Ehe wir den Ösis Prozesskostenhilfe vor dem Europäischen Schlagergerichtshof in Genf gewähren, warten wir deren Vorentscheid mal ab.

Ungerechtigkeiten gibt es nämlich immer. Ein Kollege von mir aus dem Hause der alternativen Zeitung TAZ hatte sich für USFB beworben und bekam weder eine Einladung zur Runde der letzten 20 noch einen höflichen Absagebrief. Haben die bei Brainpool so wenig Kapazitäten, dass man dort nicht mal förmlich-höfliche Absagebriefe schreiben kann – etwa versehen mit einer Autogrammkarte von Lena?

Ist das ein guter Stil, frage ich mich?

Nein, das ist es nicht. Zumal der junge Kollege, der so wunderbar Kaffee zubereitet, nun unter dem Eindruck leidet, es könnte an seinem Schwulsein gelegen haben, dass er es nicht ins erweiterte Finale schaffte. Als er mich im November fragte, worauf es wohl ankäme, meinte ich zu ihm: Nun, besser man wirkt auf der Bühne nicht wie der inzwischen zum Solarenergiebetreiber avancierte Daniel Kübelböck. Auch nicht wie Michael von der Heide aus der Schweiz, also eher mackerheteromäßig mit romantischen Aspekten. Will sagen: Es gab einigen Kummer hinter den Kulissen.

Aber auch Jubel! Wenn meine Flüsterer nicht lügen – Menschen, die sich bei USFB hinter den Kulissen herumtrieben – dann soll dort Stefan Raab schon während der ersten Werbepause der Show herumgesprungen sein, ausrufend: “Es klappt, es klappt!” Womit er die Blitztabelle, das Dauervoting während der Sendung meinte.

Ich würde sagen: Interpretationen, die meinen, damit sei die Geldgier Raabs gemeint, kennen ihn nicht. Der hat so viel Schotter, der braucht keine Öre mehr. Was er vielleicht sagen wollte mit “Es klappt, es klappt!”, war der Umstand, dass das sportlich-tabellerarische Dauerprinzip funktionierte. Wobei ein Autor in diesem Forum natürlich recht hat: Im Gegensatz zum Sport – etwa bei der Blitztabelle im Videotext während eines Bundesligaspieltags – können die Akteure nichts mehr tun, haben sie erst einmal performt. Trotzdem bleibt die Regel des Sports gültig: Man stimmt darüber ab, wie es endet. Das ist auch beim Eiskunstlaufen so. Die Live-Tabellarik kann den Künstlern sogar die letzten nötigen Adrenalinimpulse einflößen. Wer jetzt schon in die Hose macht ob der Blitzabstimmungen, braucht gar nicht erst in die Proben- und Votinghölle von Baku. Der hat ja jetzt schon schwache Nerven.

Generell stimme ich im Übrigen einer anderen Autorin zu. Sie hatte etwas zu kritisieren und wurde dafür schwer der Meckerei bezichtigt. Sie erwiderte: “Da sagt man mal seine Meinung – und schon heisst es, man nörgelt…;).” Ja, das ist ungerecht. Wahr ist, dass alles kurzweilig daherkam. Und, dass spätestens Donnerstag zur zweiten Runde erwiesen sein wird, ob möglicherweise Manipulation im Spiel ist oder nicht. Aber auch: Nörgeln darf jeder und jede!

Schließlich: Der alte Grand Prix Eurovision de la Chanson ist lange tot. Sein Leichnam liegt auf einem Friedhof, wo auch Schellack und Vinyl begraben liegen. Dafür ist wie eh und jeh die Kunst der Performance gefragt. Der Verführung und der sachten Überzeugungstäterschaft am Mikrophon selbst.

Nach diesem Wochenende, an dem ich noch einmal alle Acts durchgeguckt habe, bleibt mir nur zu sagen: Kai hat sich prima geschlagen. Er ist aber guter, auch zutreffender Dinge wegen rausgeflogen. Roman ist der Darling der Jury – und Céline, kein Zweifel, ist die singende Perlenkette der Saison. Aber würde sie in Baku Eindruck machen? Ich will fair bleiben, gleichwohl: Ich kann es nicht glauben.

P.S.: Neulich schickte mir ein Bekannter aus Bratus, Kroatien, einen Clip mit der albanischen Kandidatin.  Mein Eindruck: Die kann gewinnen. Die ist so irre wie Marija Serifovic, so schräg wie Justyna Steczkowska und so schrill wie Aud Wilken. Endlich mal was Riskantes von dort – und gleichzeitig siegesträchtig.

Roman und Shelly – die neuen Lenas?

12. Januar 2012 von Jan Feddersen

Fast 20 Minuten überzogen – und selbst wenn man einrechnet, dass jede Verlängerung die Televotingeinnahmen erhöht: Es war ein krass spannender Abend. Bis wenige Sekunden vor dem Ende der Show lagen sechs der zehn Kandidierenden weniger als ein einziges Prozent im öffentlichen Dauervoting auseinander. Stetig wechselte es an der Spitze, auch der sechste Rang, der ja den Verlust aller weiteren Chancen bedeutet, wechselte, als sei im Hintergrund ein Zufallsgenerator am Wirken.

Am Ende gewann mit 15,5 Prozent Shelly, dahinter Roman, Platz sechs aber belegte Kai mit 14,5 Prozent. Dazwischen: Céline, Leonie und Katja. Sie verschnaufen jetzt zwei Wochen, dann sind sie wieder im Spiel.

Obwohl mein Gefühl sagt, dass keine Manipulation im Spiel gewesen sein kann, ist es doch seltsam, dass die ersten sechs so dicht beieinander lagen. Wir sehen nächste Woche, beim zweiten Anmarsch der zehn von zwanzig Aspiranten, ob es immer so knapp wird – oder diese erste Ausgabe von “Unser Star für Baku” eine ziemlich mitreißende Ausnahme war.

Jedenfalls: Die Wertung fiel gerecht aus. Auch, dass Kai auf der Strecke blieb, obwohl er alles gab, ist gemessen an der Leistung der anderen gerecht.

Céline ging mir zwar mit ihrem kaffeeköchinnenhaften Tantencharme auf die Nerven, aber ihr “Beautiful Disaster” war ein solches, aber ein erquickliches. Katja war eine Art Eva Cassidy des Tages, sie spielte gut auf der Wandergitarre ein okayes Lied, sie gewann durch persönlichen Charme. Leonie hatte etwas Hexiges, in der Stimme gemahnte sie an die Kunst von Kate Bush dereinst. Shelly gab die Amy Winehouse, korrekt lobte Stefan Raab “Vieles ist Gesang, das ist Kunst” ihre Version von “Valery” “Valerie” (danke für den Hinweis!). Yasmin, Salih, Jil und Jan waren durchschnittlich, wobei sie eher auffiellen als Performer des Gewöhnlichen. Sie hatten ihre Auftritte: Respekt!

Die neue Lena könnte Roman Lob sein, der, wenn ich richtig gezählt habe, neben Salih der einzige war, der nicht studiert und auch nicht Lehrer zu werden beabsichtigt. Der Industriemechaniker mit dem Basecap wirkte so eigen und leicht irre wie Lena vor zwei Jahren. Und: Seine Gesangs- wie Darstellungskunst war famos, das scheint mir unstrittig.

Ob er hält, was er momentan – wie auch Shelly – verspricht, ist natürlich offen. Es deutet darauf hin, dass er eine Mikroeinheit stärker überzeugt als die Chanteuse von “Valerie”.

Die Jury schien mir etwas lahm und weniger inspiriert als die vor zwei Jahren – Thomas D musste sogar am Ende klar machen, dass nicht er Stefan Raab zur Seite steht, sondern dieser ihm. Raab hatte die klarsten und klügsten Kommentare parat, er argumentierte wie ein weiser Lehrer aus der Sparte jener Großkünstler, die mit allen Wassern gewaschen sind und doch in ihnen nicht ertranken: Kompliment.

Alina Süggeler bot, was sie zu tun gelobte: Sie machte alles von ihren Gefühlen abhängig. Aber sie versank nicht zwischen den Monstergestirnen Thomas D und Stefan R – ebenfalls: Respekt!

Es war ein besserer Auftakt von “Unser Star für …” als der vor zwei Jahren, als Lena – die auch in der ersten Runde mit von der Partie war – gewann. Das Dauervoting trägt – mit Raab gesprochen: wie beim Biathlon – zur Spannung bei. Und wie!

Man wünscht mehr solcher Güte. In jeder Hinsicht!

Das Edelcastingmodell

12. Januar 2012 von Jan Feddersen

Machen wir uns keine Sorgen: “Unser Star für Baku” wird keine so großartigen Einschaltquoten erzielen und nicht solches Interesse wecken wie “Deutschland sucht den Superstar” oder irgendeine andere Castingshow. Hochmütig ließe sich sagen: Qualität ist eben nicht allen zugänglich.

Geht es bei RTL unter dem Dirigat von Dieter Bohlen eher um kriminologisch Bedenkliches, ums grelle Drama und um obskure Sensationen aus dem Bodensatz der TV-Republik, so kommt “Unser Star für Baku” aus den mittleren Wässern der durchschnittlichen Bundesrepublik. Die Show lädt solche junge Frauen wie Lena Meyer-Landrut ein, es mal unter sehr vielen Scheinwerfern öffentlich zu probieren, die es sonst sicher nicht tun würden.

“Unser Star für Baku”, dafür steht auch ein Künstler wie Thomas D, ist ein Format, das auf Gymnasiales setzt, auf das Leistungskurshafte, aber trotzdem Coole. Bedienen andere Shows Wünsche nach entglittener Ekstase, kommt jene Sendung, die den Gewinner zum Eurovision Song Contest führt,  geschmackvoll und edel daher.

Ich will sagen: “Deutschland sucht den Superstar” ist keine Konkurrenz, denn tiefer gelegte Go-Carts rivalisieren ja auch nicht mit schnittigen, aber nicht zu rasenden Modellen aus der Öko-Autoklasse. Somit dürfen wir darauf hoffen, dass die ersten zehn AspirantInnen, die Donnerstagabend in Köln die Bühne betreten, schon wissen, dass sie die Elite des modernen Showbusiness repräsentieren. Sie können an “Unser Star für Baku” teilnehmen, ohne sich für alle Zeiten lächerlich zu machen.

Einer wie Zlatko, der ehemalige “Big Brother”-Kandidat, der einmal bei Bohlens “DSDS” dabei war, war übrigens bei der ESC-Vorentscheidung 2001 chancenlos – protziges Mackergehabe ist beim ESC fehl am Platze: Man rümpft die Nase und ist atmosphärisch verkühlt!

Dennoch: Auch “USFB” ist eine Castingshow – die Kandidaten treten in einen Wettkampf. Wobei Stefan Raab das sportliche Element mit dem neuen Blitzvoting auf die Spitze treibt. Man kann für seine Lieblinge gleich anrufen – und sieht auch, ob sich das auswirkt. Ich würde sagen: Das ist die sympathischste Kannibalisierungsshow des Fernsehens der Jetztzeit – und darauf freue ich mich heftig.