Archiv der Kategorie ‘Internationale Künstler’

Ruhe in Frieden, Noel

7. Februar 2012

Jene, die heutzutage ESC-Fans sind, aber noch jünger als 25 Jahre sind, werden an ihn keine Livebilder mehr zur Erinnerung haben. Aber dieser Mann aus Irland war den Älteren viel mehr Irland als alle Johnny Logans und Linda Martins und Niamh Kavanaghs zusammen: Noel Kelehan, Dirigent des RTE Concert Orchestra, des irischen Fernseh- und Rundfunkorchesters, stand für 29 Eurovisionsacts am Dirigentenpult – und er gab nach 1998, als er für Dawn Martin deren “It’s Always Over Now” zubereitete, als er also das Orchester des BBC in Birmingham in Schwung und Noten setzte, zu Protokoll, er fände die Abschaffung des Dirigenten beim Eurovision Song Contest nicht gut. Er glaube, dass die “Conductor” mit zur Show gehörten – dass es also ohne sie nicht gehe. Da war Noel Kelehan längst im Vorruhestandsalter.

Er war, mithin, ein Mann aus einer anderen Zeit. 1966 war er der Kopf der irischen Hoffnungen, als “Come Back To Stay” von ihm mit dem Taktstock ins Werk gesetzt wurden. Da waren die Fernsehbilder noch in Schwarz-Weiß gehalten, da hatten irische ESC-Lieder noch nicht den Nimbus, irgendwie immer ganz vorn zu landen, im Zweifelsfall sogar zu gewinnen.

Kelehan, der bis auf einen alle irischen ESC-Triumphe dirigierte, half auch anderen Auftritten zur treffenden musikalische Umrahmung – und es fällt auf, dass er dies besonders gut bei Liedern verstand, die eher aus dem Rahmen fielen, etwa 1995 die Polin Justyna Steczkowsky mit “Sama”.

Nur 1994 stand er nicht am Pult – obendrein in Dublin -, als Charlie McGettigan und Paul Harrington “Rock’n'Roll Kids” anstimmten und gewannen. Die Herren am Klavier waren sich genug, ein Orchester war nicht nötig. Dafür stand Kelehan beim Lied “To nie ja” vor den Musikern zum Dirigat bereit. Edyta Gorniak war ohne Orchesterchef in die irische Hauptstadt gereist.
Nun ist Kelehan, Ehemann und Vater von drei Töchtern im Alter von 76 Jahren gestorben. Die ESC-Gemeinde trauert, sie verliert einen der renommiertesten Veteranen und einen der Protagonisten cooler Internationalität. Er ruhe in Frieden!

Misslichkeiten in Österreich

2. Februar 2012

Bei uns geht alles so seinen sozialistischen Gang: Heute Abend, falls alles pünktlich läuft kurz vor Mitternacht, werden weitere zwei Aspiranten aus dem Rennen um die Fahrkarte nach Baku geworfen worden sein. Meine Freundin Helen-Melba aus Emden sagt, dann wird Umut seine Zukunft als Star hinter sich haben, auch Katja sei in Gefahr. Und ich stimme ihr bei Letzterer zu und hoffe, dass Sebastian sich nicht schon wieder mit einem Hut durchschummeln kann. So schwiegermuttermäßig grinst er doch auch nicht!

Aber, wie gesagt, es schippert so vor sich hin, dieses Casting namens “Unser Star für Baku”. Liegt es an mir, dass noch kein echtes Lena-Feeling sich einstellen will? Oder sind wir nur verwöhnt? Verzogen durch den erfolgreichen Relaunch der deutschen Vorentscheidung aufs Popformat – und weg von der Ästhetik ungelüfteter Schlafzimmer wie ganz früher?

Der Song "Crazy Swing" des  Duos !DelaDap wurde im Österreichischen Vorentscheid disqualifiziert. Foto: Band

Österreich hingegen leidet unter Misslichkeiten. Am 24. Februar steht dort fest, wer nach Aserbaidschan fährt. Doch nun gibt es Querelen um den Beitrag von !DelaDap, der Song soll schon wenige Tage vor der magischen ESC-Datumsgrenze – dem 1. September 2011, vor dem kein Song veröffentlicht sein darf, der 2012 ins Rennen um den Titel von Baku geht – öffentlich vorgetragen worden sein. Das Ganze fand statt Ende August bei einem DJ-Set in Odessa, in einem kleinen Club mit höchstens ein paar Hundert Gästen.

Ist es nicht fies, dass da ein Act aus dem Zehnerfeld geworfen wurde, nur weil der Komponist mit Sängerin so eine Art Rohversion bei einem DJ-Auftritt in Odessa abgespielt hat? Und wenn es denn schon so war: Welche aufmerksame, um nicht zu sagen: Böses stiftende Schnalle hat das gepetzt? Hat gesagt, dass es von diesem Auftritt am Schwarzen Meer vor der Fristgrenze einen Youtube-Clip gibt (der übrigens mittlerweile bei Youtube gelöscht wurde)? Ist ja wie bei Siegel dereinst, scheint mir, der ja 1976 gegen Tony Marshall und 1999 gegen Corinna May, so gingen Gerüchte, geforscht hat durch Scouts, ob diese womöglich gegen Regeln verstoßen haben.

Hatten sie! So wie der DJ von !DelaDap seines russischen ukrainischen Einsatzes wegen.

Aber wird es einen neuen, das Zehnerfeld wieder auffüllenden Kandidaten geben? Ist doch ohnehin nie ganz transparent geworden, wer in die Vorentscheidung nun gelangt und wer vorher ausgesiebt werden musste.  Ich hoffe, dass das Feld nicht nur neun Kandidierende umfasst. Denn da gibt es einen Herrn, der für die Freunde des ESC modernerer Prägung höchst akzeptabel wäre. Wie schrieb mir mein Freund Kurt aus Wien: “Na ja, er ist schon ein süßes Schnuck” und schickte mir diesen Link zum Video eines Sängers namens Sankil Jones.

Man sieht: Er hat vieles, sehr vieles, um der ESC-Meute an den Computer im Vorwege zu gefallen – männlich aussehend und doch nicht wie ein Maurer am Ende einer Schicht. Auf Facebook wird für Sankil Jones auch schon heftig getrommelt: Der ORF solle ihn dringend nachnominieren. Nun steht auf Facebook ja sehr viel Unsinn, aber Mario R. Lackner, der so besonders intensiv sich für das Lied “Fire” von Mr. Jones verwendet, liegt richtig: Dieses Lied könnte den Abend des 24. Februar aufhübschen.

Öder Discopop aus Frankreich

30. Januar 2012

Mit für französische Verhältnisse ziemlich großem Pomp wurde eine Pressekonferenz angekündigt, und die fand gestern statt, am Sonntag. Na, da waren die Fans aber aus allen Häuschen -am heiligen, arbeitsfreien Tag der Woche, wo alle in Europa vor ihren Computern sitzen konnten. Und es wurde tatsächlich das Lied enthüllt, falls man das so sagen darf, denn die Sängerin ist uns ja bereits annonciert worden. Und was kam heraus? Okay, Anggun singt “Echo”. Untertitel: “You and I”. Sie singt englisch und französisch gemischt, ganz so, als ob sie einem einzigen Idiom nicht traut: Einerseits will sie den Sprachpuristen im eigenen Land keinen Anlass für gerümpfte Nasen bieten (“Verrat!”), andererseits aber auch nicht an den internationalen Erfordernissen des ESC scheitern. Und zu denen gehört nun einmal die lingua franca des Pop, also das Englische.

Anggun. Foto: Paolo Zambaldi / Warner Music

Und dann hört man sich das Lied an und ist enttäuscht. Nein, ich will kein Pessimist sein, nicht schlecht reden, was sich später als kostbar und wertvoll herauskristallisiert. Aber was soll ich sagen? “You and I” ist der ödeste französische Beitrag seit Cocktail Chics 1986 gefisteltem Lied “Européennes”. Ein zwar handwerklich solides Stück Eurodiscopop mit einem etwas verwirrendem Intro, das sich allerdings recht rasch zum konventionellen Dancehallding entwickelt, etwa so wie Kate Ryan dereinst für Belgien oder, als Trio, Mekado 1994 mit “Wir geben ‘ne Party” (damals recht flott gehalten).

Gleichwohl: Die frühe Nominierung von Anggun – gegen die französische Gewohnheit, den eigenen Act knapp vor Meldeschluss bekannt zugeben – scheint dem Bedürfnis entwachsen zu sein, den ESC schnell vom Tisch zu bekommen.

Ich meckere eigentlich nur deshalb so krass, weil aus Frankreich schon so glänzende Lieder zum ESC delegiert wurden, Amina, auch Nina Morato oder Joelle Ursull oder, natürlich, Frida Boccara. Aber Anggun? Was hast diese gar nicht mal so erfolglose Chanteuse falsch gemacht, dass man sie mit einem solchen Lied ausrüstet?

Eurovisionäre Zickenkriege

23. Januar 2012

Diese SMS fand ich in der Nacht auf Sonntag auf meinem Telefon: “Ich hoffe, wir kommen schlecht in deinem Blog weg. DK 2012 ist zum …” Nun, die drei Punkte bezeichnen ein Wort, das entweder aus wütendstem Gemüt oder aus der Gosse, vielleicht aus beiden Quellen stammt. Jedenfalls ist es schon der sprachlichen Ziemlichkeit wegen unschicklich, es zu zitieren.

Soluna Samay freut sich über ihren Sieg beim Dansk Melodi Grand Prix. Foto: EBU

Aber es steht fest: Dänemarks Siegerin vom Samstag, die guatemaltekische Dänin Soluna Samay mit ihrem Titel “Should have known better” (Ich hätte es besser wissen müssen) mag am Ende des Abends der Kompromiss zwischen Televoting und internationaler Jury gewesen sein. Aber sie wird offenbar nicht von den Fans geliebt, wenigstens nicht von den dänischen. Ja, es ist gar die Rede davon, dass Frau Samay “eine Bergendahl” sei – zur Erinnerung an jene bedauernswerte schwedische Chanteuse, die vor zwei Jahren ihrem Land erstmals die Schmach bereitete, nicht das Finale zu erreichen. Und damit komme ich wieder zu jener SMS, die mir in einer Aufwallung von Empörung geschickt wurde von meinem Freund Ida aus Kopenhagen – denn die Bergendahl fand ich mehr als okay und finalwürdig. Ihr Lied, “This is my Life”, war hübscher, zeitgenössischer Pop und die Performance auch mindestens sattelfest.

Was, andererseits, stört die Fans an einer Sängerin wie Soluna Samay, die hoffentlich ins Finale von Baku kommt? Woher kommt Aversion gegen dieses Lied, dargeboten von einer jungen Frau mit Kapitänsmütze und einer Jacke mit Epauletten? Ich würde sagen: Man nimmt ihr übel, dass sie keinen skandinavischen (oder sonstwie eurovisionären) Dancefloor-Discopop serviert. Sondern eben so singt, wie viele junge Frauen in den Charts es momentan so tun – zur Gitarre, leicht wehklagend. Irgendwie in der Nachfolge von Amy McDonald, würde ich sagen, nach etlichen Versuchen, mich dem dänischen Baku-Lied zu nähern.

Was also macht aus Fans Zicken, die gegen den Beitrag ihres eigenen Landes in den Krieg ziehen? Können sie das Votum der Zuschauer nicht akzeptieren? Nicht sehen, dass die Fanperspektive meist nicht jene des gesamten Publikums ist? Nein, die Bergendahl wird sie nicht geben, die blonde Sängerin aus Kopenhagen, sie erreicht, meiner möglicherweise irrigen Prognose nach, das Finale am Abend des 26. Mai. Ihr Lied ist vielleicht ein wenig konventionell, ja, langweilig auf die Dauer. Aber eine Hera Björk, die die Fans liebten, die hat doch auch keine Rosenstöcke zum Blühen gebracht, oder?

Ein Zickenkrieg auf anderer Ebene liefert momentan die Türkei. Und zwar, ohne dass ein Lied aus dem ruhmreichen Land des ESC schon bekannt wäre. Denn bestellt wurde als Kandidat der Sänger Can Bonomo, der jung ist und keine weitere Meriten im Popgeschäft sammelte, aber, daran entzündete sich einiges Mosern und Meckern im Lande, jüdisch ist. Er stammt aus einer Familie von jüdischen Türken, deren Vorfahren vor langer Zeit aus Spanien vor Katholiken und Muslimen flüchten mussten. Bonomo erklärte, seine kulturellen oder religiösen Wurzeln spielten keine Rolle, er sei Türke. Man merkte gegen ihn an, ein überwiegend muslimisches Land könne nicht von einem Menschen aus einer anderen Tradition repräsentiert werden.

Ist das nicht irre? Das wäre so, als ob aus Deutschland niemand zum ESC fahren darf, der nicht christlich ist. Die Türkei hat offenbar noch Nachholbedarf im Lernen von multikultureller Liberalität. Dazu passt auch die Meldung, dass der türkische Rockstar Kirac nicht für sein Land ins Rennen gehen wollte – er hätte nur auf Türkisch, nicht auf Englisch singen wollen. Zu Kirac lässt sich nur sagen: Wer nicht will, der hat schon.

Und Can Bonomo – der wird schon ein prima Lied auf die Stimme geschneidert kriegen. Vorläufig, hörte man, ist er vor Freude nervlich sehr zerrüttet. Wir fiebern am besten mal mit ihm!

Albanien gewinnt sowieso!

16. Januar 2012

Ich fand – und finde! – die Debatte in diesem Forum nach dem ersten Durchgang von “Unser Star für Baku” ziemlich bemerkenswert: Kommentar für Kommentar. Die meisten blieben sachlich und nur gelegentlich wurden manche bösartig.

Auch diese gute, angemessene Tonlage hat ein Freund von mir aus St. Pölten gemeint, als er mir schrieb: ihr Deutschen, ihr Piefkes, ihr habt es gut. Bei ihnen in Österreich, da manipuliere der ORF mit Hilfe von Wildcards und anderen Tricks, auf dass kein vernünftiger Act für Baku gelingt. Ich möchte erwidern: Ehe wir den Ösis Prozesskostenhilfe vor dem Europäischen Schlagergerichtshof in Genf gewähren, warten wir deren Vorentscheid mal ab.

Ungerechtigkeiten gibt es nämlich immer. Ein Kollege von mir aus dem Hause der alternativen Zeitung TAZ hatte sich für USFB beworben und bekam weder eine Einladung zur Runde der letzten 20 noch einen höflichen Absagebrief. Haben die bei Brainpool so wenig Kapazitäten, dass man dort nicht mal förmlich-höfliche Absagebriefe schreiben kann – etwa versehen mit einer Autogrammkarte von Lena?

Ist das ein guter Stil, frage ich mich?

Nein, das ist es nicht. Zumal der junge Kollege, der so wunderbar Kaffee zubereitet, nun unter dem Eindruck leidet, es könnte an seinem Schwulsein gelegen haben, dass er es nicht ins erweiterte Finale schaffte. Als er mich im November fragte, worauf es wohl ankäme, meinte ich zu ihm: Nun, besser man wirkt auf der Bühne nicht wie der inzwischen zum Solarenergiebetreiber avancierte Daniel Kübelböck. Auch nicht wie Michael von der Heide aus der Schweiz, also eher mackerheteromäßig mit romantischen Aspekten. Will sagen: Es gab einigen Kummer hinter den Kulissen.

Aber auch Jubel! Wenn meine Flüsterer nicht lügen – Menschen, die sich bei USFB hinter den Kulissen herumtrieben – dann soll dort Stefan Raab schon während der ersten Werbepause der Show herumgesprungen sein, ausrufend: “Es klappt, es klappt!” Womit er die Blitztabelle, das Dauervoting während der Sendung meinte.

Ich würde sagen: Interpretationen, die meinen, damit sei die Geldgier Raabs gemeint, kennen ihn nicht. Der hat so viel Schotter, der braucht keine Öre mehr. Was er vielleicht sagen wollte mit “Es klappt, es klappt!”, war der Umstand, dass das sportlich-tabellerarische Dauerprinzip funktionierte. Wobei ein Autor in diesem Forum natürlich recht hat: Im Gegensatz zum Sport – etwa bei der Blitztabelle im Videotext während eines Bundesligaspieltags – können die Akteure nichts mehr tun, haben sie erst einmal performt. Trotzdem bleibt die Regel des Sports gültig: Man stimmt darüber ab, wie es endet. Das ist auch beim Eiskunstlaufen so. Die Live-Tabellarik kann den Künstlern sogar die letzten nötigen Adrenalinimpulse einflößen. Wer jetzt schon in die Hose macht ob der Blitzabstimmungen, braucht gar nicht erst in die Proben- und Votinghölle von Baku. Der hat ja jetzt schon schwache Nerven.

Generell stimme ich im Übrigen einer anderen Autorin zu. Sie hatte etwas zu kritisieren und wurde dafür schwer der Meckerei bezichtigt. Sie erwiderte: “Da sagt man mal seine Meinung – und schon heisst es, man nörgelt…;).” Ja, das ist ungerecht. Wahr ist, dass alles kurzweilig daherkam. Und, dass spätestens Donnerstag zur zweiten Runde erwiesen sein wird, ob möglicherweise Manipulation im Spiel ist oder nicht. Aber auch: Nörgeln darf jeder und jede!

Schließlich: Der alte Grand Prix Eurovision de la Chanson ist lange tot. Sein Leichnam liegt auf einem Friedhof, wo auch Schellack und Vinyl begraben liegen. Dafür ist wie eh und jeh die Kunst der Performance gefragt. Der Verführung und der sachten Überzeugungstäterschaft am Mikrophon selbst.

Nach diesem Wochenende, an dem ich noch einmal alle Acts durchgeguckt habe, bleibt mir nur zu sagen: Kai hat sich prima geschlagen. Er ist aber guter, auch zutreffender Dinge wegen rausgeflogen. Roman ist der Darling der Jury – und Céline, kein Zweifel, ist die singende Perlenkette der Saison. Aber würde sie in Baku Eindruck machen? Ich will fair bleiben, gleichwohl: Ich kann es nicht glauben.

P.S.: Neulich schickte mir ein Bekannter aus Bratus, Kroatien, einen Clip mit der albanischen Kandidatin.  Mein Eindruck: Die kann gewinnen. Die ist so irre wie Marija Serifovic, so schräg wie Justyna Steczkowska und so schrill wie Aud Wilken. Endlich mal was Riskantes von dort – und gleichzeitig siegesträchtig.

Selige Sentimentalität

30. Dezember 2011

Die Zeit zwischen den Jahren ist immer speziell. Irgendwie ist man abgeschnitten. Nirgendwo geht es so richtig ums Letzte. Die Schweiz hat sogar schon eine Vorentscheidung hinter sich. Albanien wählt wie jedes Jahr seinen Kandidaten zum Jahreswechsel beim Festivali i Këngës. Aber sonst? Still ruht der See?

Nein, ich kenne viele, die es so halten wie ich: Zwischen Weihnachten und Heilige Drei Könige darf man sich herrlichen Sentimentalitäten hingeben. Und schaut sich auf eurovision.de alte Archivaufnahmen früherer ESC-Jahrgänge an oder geht zur Hauptadresse oller Kamellen: zu Youtube.

Wie jeder weiß, jammere ich nicht alten Zeiten hinterher. Nein, diese giftige Stimmung von wegen “Früher war doch alles besser”, die ist mit mir nicht zu haben. Ich bekenne: Der Eurovision Song Contest wird immer europäischer, jeder Jahrgang ist ein einziges Dokument in dem Ringen aller Länder, bloß nicht zu verlieren. Also guckt man sich bei anderen Ländern ab, wie die das machen. So entsteht ein herrliches Kuddelmuddel, eine einzige Mixtur aus ästhetischem Diebstahl und künstlerischer Hehlerei. So kommt es, dass Finnland wie Spanien klingt und die Türkei an Rocktraditionen in Belgien anzuknüpfen scheint. Das, was einst der Grand Prix Eurovision bei uns war, ist nun ein Popfestival – und niemand kann das ändern.

Aber, um zu meinen Gefühligkeiten zurückzukommen, zwischen den Jahren, wenn alles träger als sonst fließt, ist Nostalgie erlaubt.

So beklage ich in dieser Zeit, hier und heute, auch, dass es keine Dirigenten mehr gibt, dass nicht mehr in den Landessprachen gesungen werden muss, dass viel zu viele Menschen auf der Bühne herumstehen, wo es doch nur um ein Lied geht und nicht um Performance, um Kostüme und Schminke. Das ist dann die Zeit, da ich Stefan Raab nicht mehr so verehre – er war es doch, der mit Hilfe des NDR in der ARD den ESC kräftig auslüftete und dem muffigen Schlager von dereinst den Todesstoß versetzte. Schlager heute? Das ist Lena und heißt Pop.

Doch zwischen den Jahren ist mir garstig: Her mit den guten alten Zeiten! Mit berührenden Vorstellungen wie von Lenny Kuhr, mit Bizarrerien wie “Pump Pump” aus Finnland 1976, mit Jacques Hustin und seiner “Fleur de liberté” oder irgendeinem Auftritt der Dirigenten Ossi Runne, Noel Kelehan oder, 1974, dem napoleonischen Dirigat zu “Waterloo”. Aber wo sind sie denn, jammere ich dann, wenn ich mich durch die Clips schwimmen lasse, all die Damen wie Gigliola Cinquetti oder Ireen Sheer 1978? Wo sind die schrillen Accessoires, wo die peinlichen Nummern wie “Baby Doll” 1991?

Es ist herrlich, mal sich die gute alte Zeit anzugucken. Davon abgesehen, dass mir ein Freund ein Konvertierungsprogramm empfohlen, mit dem sich die Liveaufnahmen auf mp3-Format verwandeln lassen, war es doch mit Liveorchester besser. Bobbysocks als Tonkonserve plus Livegesang 1985? Hätte niemals gewonnen! Finde ich und trinke zu diesem Gedanken einen Schlehenlikör.

Irgendwann wacht ein jeder aus dieser seligen Sentimentalität auf – auch ich. Dann weiß man, was im alten Jahr passierte: Ohne skandinavische Hilfe hätte Aserbaidschan niemals gewonnen – und hätte Deutschland noch die alten Zeiten, wäre Lena immer noch in Hannover und wüsste vielleicht nicht, was sie aus ihrem Leben machen soll.

Was bringt das nächste Jahr? Noch mehr Millionen, die zugucken. Der ESC wächst, weil er als Wettbewerbsformat mit national identifzierbaren Kandidaten perfekt funktioniert wie keine andere Show. Das allerdings war schon immer so: Der Grand Prix Eurovision heißt jetzt Eurovision Song Contest – na und? Am Ende zählt die Punkteauswertung. Ich finde, wir hatten ein gutes Jahr!

Danke für alle Diskussionen und Bemerkungen. Das Leben geht weiter, im neuen Jahr dann ohne diese gewisse Gefühligkeit, die sich klebrig ans Vergangene hängt. Ein frohes neues Jahr allen!

Frohe Festtage

23. Dezember 2011

Um es gleich vorweg zu sagen: Geschenke, die mit dem ESC zu tun haben, sind immer irgendwie gut. CDs, DVDs – und wenn sie aus diesem Jahr stammen, enthalten sie Material von dem, was wir jetzt in fast zwölf Monaten erlebt haben.

Gucken wir mal zurück auf jene Momente, die auf eine metaphorische Art Geschenke waren. Ich bin ziemlich gespannt, wie Sie, wie ihr diese Momente empfunden habt – und wer selbst welche beisteuern möchte.

1. Der mir wichtigste Moment war die Freude von österreichischen Journalisten, als sie realisierten, dass ihre Nadine Beiler es tatsächlich ins Finale geschafft hatte. Dort schnitt sie nicht so gut ab, wie auch ich es mir erhofft hatte: Aber Frau Beilers Mireille-Mathieu-Gedenkfrisur wird ihr nicht auf dem Wege zu höheren Plätzen im Wege gestanden haben. Sie war ganz und gar von der altmodischen Schule. Kein Geflirre auf der Bühne, einfach nur Körper und Stimme, ruhig und ins Ekstatische wachsend. Großes Kino!

2. Die Coolness von Lena Meyer-Landrut in Düsseldorf war absolut preiswürdig. Sie schien zu wissen, dass der Zenit ihrer ESC-Karriere hinter ihr liegt, sie ahnte, dass Taken By A Stranger ein eisig-guter Titel ist, aber sie mit ihm nicht gewinnen kann. Ihre Performance war hinreißend. So absichtsvoll kalt ging noch keine vor ihr zu Werke. Toll!

3. Eldar. Der jungenhafte Teil des aserbaidschanischen Sieger-Duos sagte im Aufwärmraum vor einer ARD-Vorabendsendung, er fände Dana International aus Israel und Eric Saade aus Schweden am Besten. Da soll noch einer sagen, in Baku, wo dieser junge Mann ja jetzt lebt, sei die Welt nur als graue Fläche vorstellbar: Nein, Eldar bekannte sich mit diesem Statement als absolut fähig, queer und europäisch zu phantasieren. Nobel!

4. Die Volunteers. Muss man viel zu diesen Horden an jungen und jüngeren Menschen sagen, die in Düsseldorf in T-Shirts für schieren Gotteslohn Dienst taten? Und das mit einer Lust, die möglicherweise in direktem Gegensatz zu hochbezahlten Managern steht. Letztere nämlich gucken trotz allerhöchster Gagen immer so, als sei die Welt nur hochmütig und schlechtgelaunt zu nehmen. Diese Düsseldorfer Helfer waren Weltklasse – ein Woodstock am Rhein. Anbetungswürdig!

5. Die Leute vom Catering in Düsseldorf. Ob hinter den Kulissen der Produzierenden, ob im Zelt, wo die Journalisten und Fans Nahrung fassten: Diese Crews waren selbst dann noch guter Laune, wenn es alle mal wieder sehr eilig hatten, um ja keine Sekunde Probe zu verpassen. Sie haben Irrsinnige erlebt, diese Männer und Frauen hinter den Buffets und Kochtöpfen – und haben sie gut behandelt. Menschlich!

6. Die Schweiz. Anna Rossinelli wurde von eidgenössischen Fans nach ihrem Finaleinzug gefeiert, als sei sie eine Fußballmannschaft wie der FC Basel. Man zeigte sich glücklich, weil die Schweiz doch immer denkt, niemand wolle sie. Nun ja, man fährt inzwischen des Wechselkurses wegen seltener hin – aber wenn gute Musik von dort kommt, ist man doch gleich ein bisschen Mitschweizer. Anna Rossinelli? Kompliment, auch wenn sie nur Letzte im Finale wurde.

7. Die Stadt Düsseldorf, weil sie für weniger betuchte Fans eine Art Suppenküche der höheren Klasse einrichten ließ. Das verdient den Preis für kulinarisches und finanzielles Mitgefühl! Schade, dass die Fans diese Speisungen nicht in Anspruch nahmen. Aber man hätte es wissen können: Was nicht auf dem ESC-Gelände ist, existiert für Fans nicht. Eine Lehre sondergleichen!

8. Erik Saade – auch so einer gehört zum ESC in seinen besten Sekunden. Wie sich der Schwede mit Hilfe des Komponisten Frederik Kempe so aufpumpte, als möchte er nicht erst ein Star werden, sondern als sei er bereits einer, ja, so, als könne einer aus Schweden nur dazu da sein, mindestens Europa zu beglücken, hatte Format. Er benahm sich so glatt und oberflächenpoliert wie einst Julio Iglesias, Jürgen Marcus oder Gérard Lenorman. Eric Saade hingegen ist inzwischen wieder nur in seinem Land weltberühmt. Was für ein Karrierchen!

9. Nicole Borchert, die Fanbetreuerin des NDR, hatte den undankbarsten Job in Düsseldorf: Fans zufrieden stellen. Das musste scheitern! Aber was machte diese wunderbare Kollegin? Irgendwie gab sie allen das Gefühl, nur für sie da zu sein. Ich würde sagen: Sie war die Königin von Düsseldorf für mehr als zwei Dutzend Abende und Nächte und Tage. Luftküsse für sie!

10. Anke Engelke und Judith Raakers. Deutschland ist wie Marlène Charell? Die beiden diesjährigen Moderatorinnen machten vergessen, dass Deutschland selbst im Witz noch wirkt wie eine Leistungsmaschine. Vor allem die Engelke: Die beste Moderatorin seit Lill Lindfors – und das soll echt was heißen!

Jetzt aber, weil das doch religionsübergreifend das Fest der Familie ist, zu Weihnachten: Euch und Ihnen allen schöne Feiertage, mit den Liebsten, mit der Familie. Auf dass der ESC weiterlebt. Und warum? Weil Europa nichts anderes verdient hat!

Mit herzlichen Grüßen meinerseits!

P.S.: In der Silvesterfolge noch Näheres zu Stefan Raab. Er hat viel Lob verdient, was sonst?

Ruhe in Frieden, Malina

16. Dezember 2011

Das ist eine traurige Nachricht, die uns aus Rumänien erreicht: Malina Olinescu lebt nicht mehr. Verschiedene Internetforen legen nahe, dass sie an Liebeskummer litt und nicht mehr leben wollte.

Malina Olinescu vertrat 1998 in Birmingham ihr Land beim ESC in Birmingham. Ich habe sie auf zwei Empfängen erleben können – sie sprach mit fast niemandem, sie, die erst im Jahr zuvor die rumänische Popszene mit “Mi-e Dor De Tine” bereicherte, war offenbar schockiert über den Rummel und die Mächtigkeit dieses Events. Mir fiel vor allem die Differenz zwischen ihr und der späteren Siegerin Dana International auf: Letztere als “Diva” heftig gut drauf, unangekränkelt von Scheu und Schüchternheit, in der Disco tanzend; die Rumänin eher ein stiller Typ, der unentwegt von Männern des rumänischen Fernsehens umringt war, als brauchte sie eine Leibgarde, schon um nicht im Glamour zu ertrinken.
Ihr Lied passte: “Eu cred” – Ich glaube – war eine fast düster orchestrierte Ballade, in die Malina Olinescu mit ihrer schönen Stimme kongenial depressiv stimmende Töne einwob. Enttäuschend war für sie, die aus Bukarest in jenem Jahr mit viel Vorschusslorbeer nach Mittelengland geschickt wurde, der 22. Platz. Sechs Punkte: Diese Sängerin erfuhr nicht als erste in der ESC-Geschichte, wie schmerzhaft eine Punktevergabe sein kann- Aber sie litt unter dieser offenbar ganz besonders.
In den letzten Jahren war es um sie eher stumm geworden; keine Hits, kaum Auftritte: Malinescu war in ihrer Heimat ein Nummer von gestern.

Wir trauern mit ihren Angehörigen. Sie war, soweit man das sehen kann, eine würdige ESC-Chanteuse. In der Hall of Fame aller, die, wenn sie schon nicht gewannen, doch alle gute Erinnerung verdient haben, mag für sie ein Platz fest reserviert sein!

Das Moderne gewann dann doch

11. Dezember 2011

Knapp drei Stunden, falls meine Uhr nicht falsch lief, bot das Schweizerische Fernsehen die spannendste Vorentscheidung seit Jahren. Und am Ende hatte etwas Zeitgenössisches gewonnen, die aus dem Tessin delegierte Gruppe Sinplus, die mit “Unbreakable” gewann. Unzerbrechlich – so wirkte diese Combo tatsächlich. Es war der professionellste, der mainstreamhafteste Auftritt in dieser gesamten Vorentscheidung. Sinplus – das klang ein wenig so, wie man sich rockartige Songs aus der Schweiz vorstellt, nämlich ziemlich genau 20 Jahre hinter allem zurück, was gerade aktuell ist.

Aber sei’s drum: Diese Kapelle wird nach Baku fahren – und ob ihnen das bereits reicht, wissen wir nicht. Ich fürchte, sie werden es nicht über das Halbfinale hinaus schaffen. Warum? Weil der Performance von Sinplus nichts wirklich Überragendes, Spannendes, Interessantes anhaftet. Es ist wahrlich brav, was sie zu bieten haben – aber das Beste, was sich in dieser Vorentscheidung herauskristallisiert hatte. Klar, sie freuten sich nach Verkündung des Schlussresultats, selbstverständlich schienen sie aus dem Häuschen – gleichwohl: Alles fein geübt. Das heißt auch: Dieser erste feststehende ESC-Act des Jahrgangs 2012 ist nicht von der Sorte, den man unbedingt neuerlich hören möchte. Das ist eine Mixtur aus U2 und Sieger im Leistungswettbewerb “Jugend trainiert für das Rockbusiness”.

Schade – aber wahr. Die Schweiz hat doch eine ganz und gar moderne Popmusikprägung – aber weshalb kam diese nicht zum Ausdruck?

Womit wir bei Lys Assia wären. Sie blieb bereits in der Vorrunde der 14 Aspiranten hängen – ihr “C’était ma vie” (Das war mein Leben) fand offenbar nicht genug Zuspruch durch Freunde höheren Kults. Okay, die Assia war auch nicht in Hochform, aber das muss man einer Dame, die 87 Jahre zählt und eines ihrer zahllosen Comebacks zu feiern beanspruchte, nicht vorwerfen. Ihr Gesang wirkte leicht schleppend, ja, ihre Stimme, zumal durch die getragene und träge Komposition, hatte etwas Brüchiges. Könnte sein, dass die Assia seit dem Ende der Show lernen kann, ja, anerkennen müsste, dass sie in der Schweiz nicht die Popularität verkörpert, von der sie stets selbst glaubt, ihr stünde sie in erheblichem Maße zu. Und es kann auch sein, dass das Ralph-Siegel-Lied zu diesem Eindruck des Mumienhaften beigetragen hat.

Es hätte doch nicht schief gehen müssen. Schief gehen? Ist das aller Ehren wert, dass die Assia allein schon dabei war? Nun, das sieht die allererste ESC-Siegerin aller Zeiten, die von 1956 mit “Refrain”, gewiss nicht so. Sie wollte gewinnen – und genau das hatte Klasse. Nein, sie wollte nicht die Rolle der Schmuck-Oma des Pops geben, sondern wie ein junges Ding am stärksten im gleißenden Scheinwerferlicht stehen. Sie hatte wohl nie von ihrem Hunger nach Erfolg eingebüßt. Aber was Shirley Bassey, alte Dame des britischen Schmetterarien-Pop, einst mit der Band “Propellerhead” ins Werk setzte, war der Assia nicht gegeben. Sie kaprizierte sich auf Ralph Siegel – und der sah natürlich eine gute Chance, mal wieder beim ESC zu sein.

Mit anderen Worten: Hätte die Assia etwa mit einer jungen Band zusammen musiziert, wäre es in Deutschland gewesen, mit Fettes Brot oder Sido oder Cool Savas … dann wären ihre Chancen wahrscheinlich größer gewesen.

Und wie geht es weiter? Baku – die Schweiz strauchelt im Halbfinale, schätzungsweise. Und nächstes Jahr, rüstig bleibt rüstig, wird die Assia wieder dabei sein. Nach dem Spiel war für sie immer vor dem Spiel!

Chiara oder Lys oder …?

9. Dezember 2011

In Kreuzlingen, schon wieder, findet die schweizerische Vorentscheidung statt. Und mit Erstaunen las ich, dass Anna Rossinelli nach ihrem letzten Platz im Düsseldorfer Finale es doch auch mit einer gewissen Erschöpfung zu tun hatte. In der “Schweizerischen Illustrierten” teilte sie mit, sie habe sich entschlossen, weiterhin Straßenmusikerin zu bleiben und weiterzumachen. Nun ja, die Ernüchterung muss groß gewesen sein. Und das verstehe ich nicht: Immerhin kam sie, anders als die meisten ihrer eidgenössischen Kollegen und Kolleginnen, doch nicht schon in einer Vorrunde ästhetisch und punktetechnisch zu Tode. Nein, sie sollte sich nicht grämen, sondern stolz sein auf ein schönes Lied, auf gute Kritiken und die Erkenntnis, dass nicht alle Bäume in den Himmel wachsen.

Das werden 13 Acts, die morgen am Start sind, auch erfahren. Ich würde sagen, nach meinem persönlichen Soundcheck aller Lieder: Es sind einige okaye Stücke dabei. Emel, Guillermo Sorya und Patric Scott gehören nicht dazu, auch nicht Macy oder die Atomic Angels.

Nein, wenn überhaupt, dann sind wiederhörenswert Chiara Dubey (prima Schmelz in der Stimme), Raphael Jeger (etwas lau, seine Ballade) und Katherine St-Laurent (robust im Timbre, sehr hübsch).

I Quattro gefallen mir auch, ebenso das Ze Flying Zézette Orchestra, das allen Instrumenten zum Trotz auch eine Stimme hervorbringt. Das könnten die heimlichen Favoriten sein – die verbreiten ausgeruht gute Laune und wirken nicht so konfektionell wie die meisten anderen.

Aber die Frage ist doch hauptsächlich: Kann es Lys Assia wieder schaffen? Kann das Publikum sich erweichen lassen, diese Garantie auf Beachtung und Spannung (allein schon aus der Tatsache: Wird sie es bis Baku gesund schaffen?) zu honorieren?

Und weiter muss gefragt werden: Wenn es nicht klappt mit der Fahrkarte nach Baku – gibt Lys Assia Ralph Siegel mehr Schuld als dieser ihr? Denn beide sind bekannt dafür, dass sie schnell mit Schuldzuweisungen bei der Hand sind, wenn sie enttäuscht wurden. Bei Siegel habe ich das ja 1992 mitbekommen, als Wind in Malmö abstürzten – das Gemecker des Meisters hatte was Böses. Und wie die Assia einmal, bei einem Grand Prix der Volksmusik, ihre Mitmusikanten zusammenstauchte, weil sie nicht gewann, das war auch absolut beachtlich, und zwar nicht im Guten.

Nein, die Assia soll es machen – denn alle anderen Lieder dieser Vorentscheidung haben etwas Beliebiges, wenn ich mich nicht verhört habe. Lys, das wäre es. Mit Siegel im Schlepptau. Das kann nur großes Theater werden!