A Ticket To Ride
18. Februar 2011“She’s got a ticket ro ride”, trällerten, äh, stimmten die Beatles vor knapp einem halben Jahrhundert an – und Lena Meyer-Landrut wird ihr Ticket und dieses Gefühl zum zweiten Mal heute Abend knapp vor halb elf Uhr haben können: Sie weiß dann, aus welchem Stoff ihre Träume in Hinblick auf Düsseldorf gewirkt sein werden. Schwarzfahren gilt nicht, die Jury hat ohnehin nur kommentierende Funktion. Möglich, dass die einstig angehende Abiturientin nicht mit den beiden eigenen Songvorschlägen reisen darf, aber diese Situation kennt sie aus dem Vorjahr: “Satellite” war der Act des Publikums.

Hier möchte ich mich aus dem Fenster lehnen und vorab die Prophezeiungen ein wenig befeuern.
“Maybe” stammt von Daniel Schaub und Pär Lammers, sie haben noch ein weiteres Lied in der Konkurrenz. Sie können echt sagen: “Made in Germany”, was ja in gewisser Hinsicht auch ein Aspekt ist. Ich finde diesen Titel schön und fein und gut, allerdings auch ein wenig belanglos. Ich muss das so unhöflich sagen, denn es kommt ja auf ein Lied an – und alles okay finden, gilt nicht. Ich denke, es wird ein guter sechster Rang.
”Taken By A Stranger” stammt von Nicole Morier, Gus Seyffert und Monica Birkenes und ist im Netz, gemessen an den Klickquoten, der Favorit schlechthin. Zeitgenössischer Popelektrosmog meets Eighties – das hat etwas Beunruhigendes, ja, dieses Lied weicht heftig von den Cassettenrecordersounds des Vorjahres ab. Mein Platz? Der Zweite! Wird aber wohl gewinnen, denn Sie, das Publikum, wollen ja Lena beim Erwachsenwerden unterstützen!
”What Happened To Me” ist vom Traumduo Meyer-Landrut & Raab themselves. Ein eher gutgelauntes Stück Pop, das die Rätselhaftigkeit des Daseins an der Schwelle zwischen Mädchen und Mutter zwar nicht ausdrücklich, aber eventuell insgeheim thematisiert. Ein schönes Alter, das einer 19-Jährigen – gut verpackt in einem adäquaten Song. Ein prima vierter Platz!
”A Million And One” aus den Federn von Errol Rennalls und Stavros Ioannou, beide, wie deren Namen schon sagen, bekennende Hannoveraner. Es ist ein Lied, das aus meiner Perspektive nicht so recht weiß, was es sein möchte – erfrischend und optimistisch, andererseits könnte es auch als so stürmisch wie die herbstlichen Wässer des Flüsschens Leine empfunden werden. Fünfter Rang, das wäre okay.
”Push Forward” ist das zweite Stück von Daniel Schaub und Pär Lammers. Es sei romantisch, sagen die jungen Männer, allerdings nicht kitschig. Nun, ist es aber doch kitschig, und das ist das große Plus dieser Hammerballade. Es klingt dezent, schummert jedoch irgendwie in aller Unheimlichkeit über drei Minuten. Lena hat bei der Performance in der zweiten Runde bei diesem Lied die Scheu einer irritiert Überraschten ausgestrahlt – das wäre aus meiner Sicht das Rezept, um in Düsseldorf den größten Blumenkorb zu gewinnen. Der Burner des Abends – es landet wohl aber nur auf dem zweiten Platz.
”Mama Told Me“, abermals von Meyer-Landrut & Raab, diesmal funkig, soulig und im Ansatz, als wär’s von Earth, Wind & Fire. Tanzbar, wenn man noch ein paar Bässe hinzufüttert. Platz drei!
Das wird es sein: “Taken By A Stranger” – “Push Forward” tapfer auf dem zweiten Platz.
P.S.: Irland? Sollten wir nicht langsam die freundlichen Zwillinge aus Irland thematisieren? Ich grüble noch. Sie geben einem Rätsel auf. Ist das nicht super? Mal kein vorschnelles Urteil? Muss auch mal sein!








Jan Feddersen verfolgt den ESC seit seiner Kindheit. In Hamburg geboren und aufgewachsen, sah er dort seinen ersten Grand Prix. Er hat unzählige Entscheidungen vor dem Fernseher verfolgt, seit vielen Jahren reist er zum Finale des Eurovision Song Contest, um von dort zu berichten und zu bloggen.