Hilfe, meine Nach-ESC-Depression ist da!
3. Juni 2011Knapp drei Wochen ist Düsseldorf nun passé – und jetzt setzt ein, was die Beteiligten und Fans als Depression danach kennen. Die Niedergeschlagenheit nach einem Höhepunkt, nun, die kennt jeder. Dieses Ende einer Droge, von der es vorläufig keine Zufuhr mehr gibt – man lebt von frischesten Erinnerungen. Okay, einige Meldungen gab es noch. Raab nicht mehr an vorderster Stelle dabei, Opdenhövel macht jetzt in der ARD die Sportschau, einige Lieder des ESC sind in den internationalen Charts, download oder klassisch. Kurz: Alles war gut, alles ist gut – und alles wird gut.

Es war wie immer. Zuerst, im frühesten Frühjahr, das Gemecker, dass diese Saison garantiert schrecklich wird – bis zum Freitag vor dem Finale, da alle dachten, in Düsseldorf und sonstwo, dass dieser Jahrgang nun wirklich ein ganz besonders gelungener sei. Okay, außerdem gab es die üblichen Versagensfälle und Tragödien, etwa, dass die Niederlande schon wieder nicht den Geschmack des Publikums außerhalb ihrer Heimat trafen, ja, und dass Dana International sich vielleicht doch keinen Gefallen damit tat, abermals anzutreten. An “Ding Dong” war nichts gut, außer dass dieses Lied von der “Diva”-Unsterblichen gegeben wurde.
Aber hilft das über die Depression hinweg, dass alles schon wieder vorbei ist?
Nein, nicht so richtig.
Ein Freund berichtete mir, was ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen kann. Man wacht den einen Morgen mit Nadine Beilers Ballade auf – daran erinnert, dass sie in jedem Tarantino-Film sofort eine sympathische Serienkillerin geben könnte; dann segelt man, noch auf den Kissen, in den Tag hinein, indem einem “Lipstick” durch den Kopf weht, das ist dann mehr das Ende einer alptraumhaften Nacht, würde ich sagen. Oder, gestern, der Morgen, als mir die Zeile “Danger is a risky business” durch den Rest meines Traums schoss – und die Erinnerung daran, dass Lena gerade diese Zeile besonders düster ins Mikro (fast) schrie. Es gibt derlei Erzählungen sehr viele: Die einen gehen mit Schnipseln von Paradise Oskar durch den Tag, die anderen bekommen plötzlich Spaniens Strandsound nicht mehr aus dem Kopf.
Das sind alles schwere Anzeichen von Abschied. Ein Adieu diesem Jahrgang – man verarbeitet, was war.
Etwa wie im Fußball ist das, so sagte mir ein Bekannter, der auf Borussia Dortmund hält und dieses Jahr nun echt nix zu meckern hat. Er findet wahrscheinlich Trost in den noch ausstehenden Länderspielen der Löw-Auswahl, aber dann ist Sommerpause. Eine Zeit des Stillstands, die kein Ende finden möchte.
Und doch, Fußballfans wissen das, nach dem letzten Spieltag ist vor dem ersten. Der ist beim Fußball nur noch sieben Wochen hin – und beim ESC beginnen die ersten Vorentscheidungsachtelfinals (Mazedonien?, Island?, Finnland?) ja auch schon Ende Oktober. Finnland und die Schweiz haben schon für Aserbaidschan bei der European Broadcasting Union gebucht, Armenien will angeblich nicht teilnehmen.
Wir warten ab. Was bleibt einem sonst?










Jan Feddersen verfolgt den ESC seit seiner Kindheit. In Hamburg geboren und aufgewachsen, sah er dort seinen ersten Grand Prix. Er hat unzählige Entscheidungen vor dem Fernseher verfolgt, seit vielen Jahren reist er zum Finale des Eurovision Song Contest, um von dort zu berichten und zu bloggen.