Bitte nicht diese!
23. August 2011Eben gerade aus den Ferien zurück. Aus den USA, Westcoast. Küsten, Nebelwände, Schleierwolken, Seelöwen – und ein Freund, der bekannte, dass er aus Europa, dortselbst studierend, als liebstes den Eurovision Song Contest mitgebracht habe. Ja, so war das mit dem Urlaub. Gleichwohl spricht natürlich auch die halbe Castro-Street in San Francisco über Aserbaidschan. Na, sagen wir: Ein Achtel Castro-Street. “Why is Azerbaidshan belonging to this event – it is not Europe?” Ist eben so: Eurovision ist nicht gleich geografisches Europa – Hawaii ist ja auch eigentlich Polynesien und doch Teil der Vereinigten Staaten.

Die Spice Girls zu ihren besten Zeiten, 1997: Mel B, Mel C, Gerri Halliwell, Emma Bunton und Victoria Adams (heute Beckham).
Und dann dieser Schock. Erste U-Bahn-Fahrt in Berlin, morgens, sehr früh an diesem Teil des Tages. Und was lese ich: “David Hasselhoff zum Eurovision Song Contest?” Ich will nicht verhehlen: Diese Meldung musste ich genauer klären und erfuhr, dass der dünnbeinige Ex-Rettungsschwimmer tatsächlich dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat – nur um es kurze Zeit später zu dementieren. Und im Netz las ich: “Spice Girls reunite for Eurovision?” So eurovision.tv, die offizielle Webseite des ESC.
Um es unverschämt zu sagen: Inzwischen ist der ESC offenbar so attraktiv, dass alle möglichen Popleichen versuchen, über diesen wiederaufzuerstehen. Ob es nun Sternchen aus irgendwelchen Castingshows sind, die, nachdem man sie auspresste wie blasse Zitronen, noch einmal ins Scheinwerferlicht streben, oder echte Poplegenden, die – ob nach Alkohol- oder Bulimietherapie – sich nach Bühne und Glanz zurücksehnen: Das darf doch nicht wahr sein!
Hasselhoff kann ja nicht mal singen. Er ist so faltig und leicht gefeistet wie Johnny Logan, der allerdings seine Meriten gesammelt hat, im Gegensatz zum “I’ve Been Looking For Freedom”-Sänger. Hasselhoff, das wäre für unsere Nachbarn die sichere Garantie, dass man gar und überhaupt keine Punkte bekommen wird. Der könnte vermutlich selbst eine geniale Folgekomposition von “Waterloo” singen und wirkte immer noch nur viertelsympathisch.
Und die Spice Girls? Das Gerücht kam durch Gerri Halliwell auf, ein Teil dieser Nicht-mehr-ganz-jung-Frauencombo. Möglicherweise neidet sie Victoria Beckham die Karriere als Frau an der Seite von David Beckham, mitsamt Kind und Kegel. Das durfte man einen guten Übergang ins bürgerliche Leben nennen – aber der Halliwell gelang er nicht so reibungslos. Nun will sie den ESC als Therapie nutzen – und ich finde: Das geht zu weit. Auch das Vereinigte Königreich sollte – zumal nach Blue und deren gutem Resultat – nicht wieder in Bedeutungslosigkeit zurückfallen.
Eine richtige, echte und bestätigte Nachtricht gibt es jedoch aus Holland: John de Mol, legendärer niederländischer Fernsehproduzent, wird den niederländischen Vorentscheid produzieren. John de Mol und seine Firma Endemol stehen für Formate wie “Wer wird Millionär?”, “Nur die Liebe zählt” oder “Big Brother” – um nur einige der bekanntesten zu nennen. Spätestens damit ist klar: In den Niederlanden können die Popleichen in ihren Kellern bleiben, denn was ein John de Mol anfasst, das wird ein gutes Unterhaltungsformat ohne ewiggestrige Pseudo-Stars aus der Mottenkiste. Hoffentlich ist die britische BBC ähnlich gut beraten …











Jan Feddersen verfolgt den ESC seit seiner Kindheit. In Hamburg geboren und aufgewachsen, sah er dort seinen ersten Grand Prix. Er hat unzählige Entscheidungen vor dem Fernseher verfolgt, seit vielen Jahren reist er zum Finale des Eurovision Song Contest, um von dort zu berichten und zu bloggen.