Lena is back in town
14. August 2012Um es gleich zu beteuern: Ich finde die ersten Schnipsel von Lena Meyer-Landruts neuem Album sehr, sehr genießbar. “Stardust” heißt das Lied, es wird die erste Single-Auskopplung ihres gleichnamigen Albums, das im Oktober auf den Markt kommt. Im Radio läuft es – quasi als Appetizer – schon jetzt, auf Youtube sind lediglich noch Halbminüter zu hören. Wahrscheinlich sind alle Aufnahmen vom Album, die es sonst bereits zu hören gab, in einer Antipiraterieaktion der Plattenfirma gelöscht worden. Offizieller Verkaufsstart für die Single ist der 21. September – und dann wird sich beweisen müssen, ob “Lovely Lena” ein Two-ESC-Saison-Wonder war.

Oder ob sie ein Teil der internationalen Popszene werden kann. Gibt es also für Lena ein Leben nach dem ESC? Die Antwort konnte bislang nicht gegeben werden. Kurz nach Düsseldorf diktierte sie in alle Reporterblöcke, dass sie nun studieren werde. Afrikanistik und Philosophie, aber das hat sie wieder geknickt. Mangelnder Zeit sei der Grund und weil sie Köln gut findet, auch aus Gründen der Verliebtheit.
Wie dem auch sei: Lena Meyer-Landrut ist immernoch bei Brainpool unter Vertrag, doch Stefan Raab ist nicht mehr ihr Godfather, der Chef ihrer Karriere – Lena ist jetzt ganz sie selbst.
“Stardust” ist eine hübsche Überschrift für ihr neues Produkt: nicht extrem originell, nicht gerade ein Titel, der so bizarr und irre ist, dass er sich damit in die Pophistorie einsortieren könnte. Aber Sternenstaub ist das, was Lena beansprucht: Irgendwo im Weltall angekommen, nicht alle Monde und Planeten zu fassen gekriegt, aber wenigstens ist sie von heftigem Kurzzeitruhm bestäubt worden.
Das Album ist bereits in der Süddeutschen Zeitung mehr beworben als rezensiert worden. Und verschiedenen Radiostationen hat sie schon Besuche abgestattet. It’s promotion, stupid! – Lena muss mal wieder sehr vernehmlich öffentlich sagen, dass sie wieder im Geschäft ist. “Stardust” ist teils in Stockholm, teils in Hamburg entstanden und es ist ein erfrischendes Stück Pop. Wir lernen also: Sie war bloß ein bisschen out – und jetzt soll sie wieder hip sein.
Nur, was den Gehalt von Geschichtlein anbetrifft, die nun im Zuge der Plattenwerbung uns in Ohren und Augen träufeln, eines darf ich noch hoffen: Dass sie uns jetzt nicht erzählt, dass ihre Liebe zu Köln und zu diesem gewissen Mann ganz neu sei. Nein, es sei denn, sie hat den Mann gewechselt. Falls es der gleiche ist, von dem wir schon vor einem Jahr, so um die Düsseldorfer Zeit herum, hörten, von dem sie selbst auch schon in Talkshows sprach, würde ich sagen: Liebe Lena, sag einfach, dass die Liebe auch nach mittellanger Zeit noch als frisch empfunden werden kann. Und dass Köln sowieso toll ist. Schon wegen Brainpool.
Und dann wünsche ich, dass das Album von Lena Meyer-Landrut wirklich ein gelungenes Werk sein wird. Keine Kaufhausfahrstuhluntermalung aus schlechten Boxen. Sondern wie “Stardust”: Schlichter, guter Pop, den es lohnt, schon beim Aufwachen zu hören.







Jan Feddersen verfolgt den ESC seit seiner Kindheit. In Hamburg geboren und aufgewachsen, sah er dort seinen ersten Grand Prix. Er hat unzählige Entscheidungen vor dem Fernseher verfolgt, seit vielen Jahren reist er zum Finale des Eurovision Song Contest, um von dort zu berichten und zu bloggen.