San Marino: Ein Altherrenwitz?
23. März 2012Und dafür dieser ganze Zirkus? Das sanmarineser Fernsehen stellte nun gestern Abend den textlich umgedichteten Schlager für den ESC vor: Statt “Facebook” heißt es nun “The Social Network Song” – aber soweit ich es hören konnte, unterscheidet sich der Beitrag in so gut wie nichts. Außer, dass nun nicht mehr der Markenname dieser sogenannten Freundschaftsbörse offen genannt wird.
Doch schätzungsweise ist durch das ganze Skandälchen, die Mikropanne, dieser von Mark Zuckerberg vor acht Jahren erfundene Internetdienst bekannter geworden als hätte man das Lied einfach so belassen. Schlicht und einfach: Weil der Text eine unfassbare Anwanzerei an das Populäre war (und bleibt). Wobei ich einräumen muss, dass “The Social Network Song” nach etwa fünfmaligem Hören gar nicht mehr so übel ist – das Schönhören funktioniert wie immer als Gehirnwäsche.
Ralph Siegel selbst erklärte Donnerstag in einem instruktiven Interview in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, er habe alles “saulustig” gefunden, sei selbst auf Facebook präsent (Mensch, Herr Siegel, ist doch nur was für echt junge Menschen), und berichtet, er “bekomme Avancen”. Aha, dann ist er der erste, der, verschwiemelt “Avancen” genannt, über diese Plattform anzügliche Angebote bekommt. Jedenfalls beteuert er: “Wir wollen uns die Freude an dem Lied trotzdem nicht verderben lassen. Die neue Lösung ist ganz süß.” Süß? Wie bitte? Was soll das bedeuten? Kann das jemand mal begründen – oder müssen wir erst einen linguistischen Forschungsauftrag formulieren?
P.S.: Was noch passierte an diesem Donnerstag, ist ein wenig traurig: Lena Meyer-Landrut hat weder den Echo in der Kategorie Rock/Pop National noch in der Kategorie Bestes Video national bekommen. Tröstlich, ein wenig: Den Rock/Pop National bekam Ina Müller zugesprochen – und die hat neben Barbara Schöneberger eine prima Show moderiert. Etwas fiel noch auf: Beide Conferencieusen küssten sich, als habe es gezählt, Britney Spears und Madonna von MTV Video Award Show 2003 nachzuahmen. Sonderlich neu oder aufregend war das jedenfalls nicht.








Jan Feddersen verfolgt den ESC seit seiner Kindheit. In Hamburg geboren und aufgewachsen, sah er dort seinen ersten Grand Prix. Er hat unzählige Entscheidungen vor dem Fernseher verfolgt, seit vielen Jahren reist er zum Finale des Eurovision Song Contest, um von dort zu berichten und zu bloggen.