Macht RTL der ARD und Pro7 Konkurrenz?
3. September 2009Es ist eine gute Nachricht, die vorläufig offiziell weder seitens der EBU noch aus diesem Land selbst bestätigt wurde: Dass Luxemburg wieder beim ESC dabei sein wird. Für die Jüngeren sei gesagt: Bis 1993 nahm dieses Urmitglied der Europäischen Union wie des ESC am Popfestival teil – und wir glaubten früher alle, dass es doch ein tolles Land sein muss, wenn es Künstler wie France Gall, Camillo Felgen, Jean-Claude Pascal, Nana Mouskouri, Vicky Leandros, Anne-Marie David und Ireen Sheer hervorbringt.

Ein Großherzogtum, das sich auf die Produktion von echten Juwelen des Entertainment versteht. Die Wahrheit war desillusionierend: Luxemburg kannte kein öffentlich-rechtliches Medienwesen, strahlte weit nach Deutschland, Belgien, Frankreich und die Niederlande Radiowellen mit Werbung aus - und spielte, um junges Publikum zu binden, sehr früh moderne Musik aus. Radio Luxemburg, über das auch Frank Elstner bekannt wurde, war so cool, wie man einst unter Jugendlichen nur sein konnte. Die genannten Stars waren eingekauft, importiert – man kaufte Komponisten und Texter und bestückte so den ESC.
Die französische Musikindustrie hatte über Luxemburg quasi einen Startplatz beim ESC mehr: Denn es durfte ja nur in der Landessprache gesungen werden. Französisches war absolut dominant, neben diesem Land waren es eben auch die Schweiz, Belgien, Frankreich und Monaco, die Frankophones zum Wettbewerb schicken konnten. Luxemburg gewann, lange vor dem Televoting, fünf Mal: mit Pascal, der Leandros, der Gall, der David und zuletzt 1983 mit der bis heute unübertroffenen Hysterieperformance von Corinne Hermès. Luxemburg war, so gesehen, Weltklasse. Das Französische verlor aber an Einfluss – und das Fernsehen an Wichtigkeit. Als Luxemburg anfing, auch Letzeburgisches zu singen, sanken die Quoten, das Interesse – und für die Musikindustrie war auch nix mehr zu gewinnen. Privatsender mit aktueller Popmusik gab es überall, nicht nur in diesem Land, das etwa so groß ist wie Hessen.
Pikant an der Nachricht, dass nach 17 Jahren Luxemburg mit dabei sein könnte, ist, dass das Land nach wie vor nur einen Marktführer im TV-Bereich hat – und das ist CLT Multi Media, das Mitglied der EBU ist, und unter dessen Dach sich RTL Luxemburg sich befindet. Das heißt: RTL, in Deutschland während der nächsten ESC-Saison gewiss abermals mit DSDS beschäftigt, könnte dem Gewinner des Castingverfahrens verheißen, für Luxemburg an den Start gehen zu können. Voraussetzung für eine Teilnahme beim ESC ist ja nicht mehr, dass Komponist und Texter aus dem Land des Starter kommen muss.
Das wäre eine interessante Rivalität mit dem ARD-Pro7-Projekt, das nächste Woche auf einer Pressekonferenz vorgestellt wird. Ich finde: Konkurrenz belebt das Geschäft auf alle Fälle. Bienvenue, Luxembourg!?









Jan Feddersen verfolgt den ESC seit seiner Kindheit. In Hamburg geboren und aufgewachsen, sah er dort seinen ersten Grand Prix. Er hat unzählige Entscheidungen vor dem Fernseher verfolgt, seit vielen Jahren reist er zum Finale des Eurovision Song Contest, um von dort zu berichten und zu bloggen.