Misslichkeiten in Österreich

2. Februar 2012

Bei uns geht alles so seinen sozialistischen Gang: Heute Abend, falls alles pünktlich läuft kurz vor Mitternacht, werden weitere zwei Aspiranten aus dem Rennen um die Fahrkarte nach Baku geworfen worden sein. Meine Freundin Helen-Melba aus Emden sagt, dann wird Umut seine Zukunft als Star hinter sich haben, auch Katja sei in Gefahr. Und ich stimme ihr bei Letzterer zu und hoffe, dass Sebastian sich nicht schon wieder mit einem Hut durchschummeln kann. So schwiegermuttermäßig grinst er doch auch nicht!

Aber, wie gesagt, es schippert so vor sich hin, dieses Casting namens “Unser Star für Baku”. Liegt es an mir, dass noch kein echtes Lena-Feeling sich einstellen will? Oder sind wir nur verwöhnt? Verzogen durch den erfolgreichen Relaunch der deutschen Vorentscheidung aufs Popformat – und weg von der Ästhetik ungelüfteter Schlafzimmer wie ganz früher?

Der Song "Crazy Swing" des  Duos !DelaDap wurde im Österreichischen Vorentscheid disqualifiziert. Foto: Band

Österreich hingegen leidet unter Misslichkeiten. Am 24. Februar steht dort fest, wer nach Aserbaidschan fährt. Doch nun gibt es Querelen um den Beitrag von !DelaDap, der Song soll schon wenige Tage vor der magischen ESC-Datumsgrenze – dem 1. September 2011, vor dem kein Song veröffentlicht sein darf, der 2012 ins Rennen um den Titel von Baku geht – öffentlich vorgetragen worden sein. Das Ganze fand statt Ende August bei einem DJ-Set in Odessa, in einem kleinen Club mit höchstens ein paar Hundert Gästen.

Ist es nicht fies, dass da ein Act aus dem Zehnerfeld geworfen wurde, nur weil der Komponist mit Sängerin so eine Art Rohversion bei einem DJ-Auftritt in Odessa abgespielt hat? Und wenn es denn schon so war: Welche aufmerksame, um nicht zu sagen: Böses stiftende Schnalle hat das gepetzt? Hat gesagt, dass es von diesem Auftritt am Schwarzen Meer vor der Fristgrenze einen Youtube-Clip gibt (der übrigens mittlerweile bei Youtube gelöscht wurde)? Ist ja wie bei Siegel dereinst, scheint mir, der ja 1976 gegen Tony Marshall und 1999 gegen Corinna May, so gingen Gerüchte, geforscht hat durch Scouts, ob diese womöglich gegen Regeln verstoßen haben.

Hatten sie! So wie der DJ von !DelaDap seines russischen ukrainischen Einsatzes wegen.

Aber wird es einen neuen, das Zehnerfeld wieder auffüllenden Kandidaten geben? Ist doch ohnehin nie ganz transparent geworden, wer in die Vorentscheidung nun gelangt und wer vorher ausgesiebt werden musste.  Ich hoffe, dass das Feld nicht nur neun Kandidierende umfasst. Denn da gibt es einen Herrn, der für die Freunde des ESC modernerer Prägung höchst akzeptabel wäre. Wie schrieb mir mein Freund Kurt aus Wien: “Na ja, er ist schon ein süßes Schnuck” und schickte mir diesen Link zum Video eines Sängers namens Sankil Jones.

Man sieht: Er hat vieles, sehr vieles, um der ESC-Meute an den Computer im Vorwege zu gefallen – männlich aussehend und doch nicht wie ein Maurer am Ende einer Schicht. Auf Facebook wird für Sankil Jones auch schon heftig getrommelt: Der ORF solle ihn dringend nachnominieren. Nun steht auf Facebook ja sehr viel Unsinn, aber Mario R. Lackner, der so besonders intensiv sich für das Lied “Fire” von Mr. Jones verwendet, liegt richtig: Dieses Lied könnte den Abend des 24. Februar aufhübschen.

Österreich rafft sich auf

6. Januar 2011

Montag startete die SMS-Abstimmung, sie dauert bis zum 31. Januar: In Österreich hat die Schlacht um das Ticket für Düsseldorf begonnen. 30 Acts kandidieren, aus ihnen werden zwei Drittel ausgesiebt; die restlichen zehn nehmen am 25. Februar am austrischen Finale teil. Erste Reaktionen von Interessierten und Fans auf der Website klingen allerdings ernüchternd: Nix dabei, sagen die einen, als aussichtslos werden von vielen die Chancen irgendeines dieser Lieder für das Düsseldorfer Finale eingeschätzt.

Eric Papilaya

Man möchte freilich den Österreichern nun gern zurufen: Verzagt nicht! Habt Mut und traut euch was zu! Und: Erinnert auch an die Show “Unser Star für Oslo” – da unkten, außer Stefan Raab, auch alle deutsche Schlagerwelt, das werde garantiert nichts mit einer guten deutschen Platzierung in Oslo. Denn was Raab wusste, sollten auch die Österreicher wissen: Was zählt, ist nicht der Eindruck, den man aus dem Radio gewinnt, nicht allein das, was sich akustisch vor einem erschließt, sondern das Liveerlebnis. Ohne ihre schicken Performances wäre Lena nicht dahin gekommen, wo sie jetzt ist – und das gilt erst recht für ihre Siege bei der Vorentscheidung vor knapp einem Jahr.

Die Frage, die sich allen Propheten und Prognostikern nun stellt, lautet vielmehr: Was zeigt das Tableau aus 30 Acts uns, den Wahrsagern? Gibt es Bekannte, gar Prominente, eventuell sogar Geheimtipps?
Auffällig ist zunächst, dass zwei austrische ESC-Veteranen dabei sind, die die Bandbreite der ästhetischen Möglichkeiten dieses Landes mit abbilden: Einmal die stimmlich zu einer gewissen Quäkigkeit neigenden Petra Frey, ESC-Teilnehmerin 1994 in Dublin mit “Für den Frieden der Welt”, mit diesem Song auf dem 17. Platz. Neben ihr der Komiker Alf Poier, der 2003 in Lettland mit “Weil der Mensch zählt” einen sechsten Rang erreichte – das beste Resultat dieses Landes seit 1989, als Thomas Forstner den fünften Platz mit “Nur ein Lied” für sich reservierte.

Jenseits der ESC-Sphären haben sich etliche Castingakteure ins Feld geschoben, etwa auch der Deutsche Freddy Sahin-Scholl, dessen Titel “Butterfly” womöglich eine heimliche Hommage an Danyel Gérards “Schmetterling” aus dem Jahre 1972 ist. Eine Delikatesse birgt der Act Band WG and Klimmstein feat. Joe Sumner – dieser ist der Sohn von Sting, 1976 geboren und offenbar gelegentlich auf künstlerischer Weltreise wie sein Vater an der Donau bei Wien Halt machend.

Der Rest ist schwer zu justieren – die Forumseinträge in diversen österreichischen Plattformen weisen aber darauf hin, dass stilistisch von Jungmädchenpop bis Little-Richard-Soundalikes alles dabei sein soll. Das, nun ja, ich bitte um Verzeihung, deutet mehr auf Mischmasch denn auf zielgerichtetes Tun in Hinblick auf die Verhinderung einer neuen Blamage dieses Landes. Wird denn Eric Papilaya, Helsinki 2007-Verlierer, nie vergessen werden können?

Österreich wappnet sich

1. Dezember 2010

Es war ein Ruf wie von der Geiltalerin – den DJ Ötzi ausbrachte, als er kurz nach Lenas Osloer Sieg bekundete, nun selbst Interesse am ESC zu haben. Jetzt geht der Trubel auch zwischen Dornbirn und Eisenstadt wirklich los – im Februar wird in Wien die austrische Vorentscheidung den Act für Düsseldorf wählen.
Aber zunächst sollen Sie, das Publikum, selbst auch zum Zuge kommen. Wie man auf der Internetseite der Radiowelle Ö3 sehen und hören kann, sucht der Sender – der coolste in Österreich unter allen, wie ich finde. Er ist legendär seit André Heller die Welle mit seeiner “Musicbox” in den mittleren Sechzigern prägte. Nun also sucht in Österreich auf eben jeder Welle die Kandidaten für die Vorentscheidung. Bewerbungsschluss ist der 10. Dezember.

 

Bislang sind im Rennen Sänger und Sängerinnen und ihre Bands mit folgendenr Namen: “One World Project”, Alkbottle, Katie Lunette, Berth Macau oder Zuzana Martinsson, auch Kristiani und Biedermann sind dabei. Spekuliert wird, ob jenseits der Radiopublikumswahl Christina Stürmer und Rainhard Fendrich mit einer Nummer im Rennen sein werden: Sage niemand, die Ösis geizten für den ESC 2011 mit Namen. Man könnte auch sagen: Wer in der schweizerischen Vorentscheidung unberücksichtigt blieb, kann – Europa ist ja nur noch ein vager Begriff, ein beinah’ grenzenloser – es nun auch im östlichen Nachbarland der Eidgenossenschaft probieren. Es scheint, als habe man beim ORF in Wien das Prinzip “Der ESC funktioniert im eigenen Lande nur über eine nationale Mobilmachung” verstanden – ein Land sucht wieder Anschluss an Europa.
Ich finde, Österreich verdient unsere Sympathie, das braucht unsere Solidarität, da verbietet sich jede Häme und jeder Spott über die insuffizienten Acts der Jahre bis Helsinki, alles Lächeln über die seltsamen bis bizarren Beiträge aus dem Kernland der Habsburger. Nein, sie geben sich fetteste Mühe. Wir bleiben gespannt!
Zu vernachlässigen ist dabei Ankündigung von Richard Lugner, er werde für Österreich in Düsseldorf antreten. Mörtel, wie der Baulöwe auch gerne genannt wird, wollte auch schon Bundespräsident werden.

Österreicher von Verschnupfung geheilt?

27. Juli 2010

Wir wollen uns gemeinsam erinnern: Es war das Jahr 2007 und in Helsinki, beim wirklich gelungenen ESC mit der Siegerin Marija Serifovic, schied bereits im Halbfinale ein Herr namens Eric Papilaya aus. Das wäre nicht weiter von Belang, wirkte er doch selbst für ESC-Verhältnisse überschminkt. Sein Lied, eine grottige Anbiederung an die Solidaritätsbewegung in Sachen Aids, hörte sich grotesk überheizt an. Wie ein Stück Brot, das man zu lange im Toaster gelassen hat – verkohlt, ungeniessbar. Aber dieser Act kam aus Österreich, und dieses Land nahm der Konkurrenz übel und schwor, nicht und nie mehr an einem ESC teilnehmen zu wollen.

Hier im Blog kommentierte ich damals, mehr noch: sagten viele von Euch / Ihnen, dass, wer rausgeht, irgendwann auch wieder reinkommen muss. Das ist das alte Gesetz des sozialdemokratischen Politikers Herbert Wehner, der im Bundestag dereinst über die aus dem Saal schlurfenden Unionsabgeordneten eben dies sagte: Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen. Denn außerhalb des Spiels – des politischen, des eurovisionäen – hat man nichts zu melden. Nur wer mitmacht, hat auch die Chance, das Spiel mitbestimmen zu können.

Was soll man sagen? Nun sind die Ösis wieder dabei. Sie haben ihre selbstauflegte Verschnupfung – etwa nach dem Motto: “Die Welt hat uns nicht verdient” – auskuriert und werden, wahrscheinlich mittels einer Castingshow vom gleichen Schlage wie die von Stefan Raab und der ARD, einen Act auswählen. Ich finde das gut!

Österreich hat uns viele kostbare ESC-Lieder geschenkt – allerdings auch sehr viele beschämende. Die Guten waren die von Udo Jürgens, Marianne Mendt, den Milestones, Christina Simon, Tima Brauer und Alf Poier. Die anderen Songs, etwa solche von Westend, Gary Lux, die Rounder Girls oder Blue Danube. Verschwendete Chancen!

Bis auf weiteres bleibt nur folgende Frage: Weiß jemand, wie man in Norddeutschland den ORF auf den Fernseher bekommt? Via Internet?

Menowin oder das “Bild”-Dilemma

11. Juni 2010

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Herzlichen Glückwunsch, Udo Jürgens!

29. September 2009

Es muss vor 15 Jahren gewesen sein, da erhielt er selbst von überregionalen Zeitungen, die nicht auf dem Boulevard ausgetragen werden, viel Lob und Anerkennung - da sollte er seinen 60. Geburtstag feiern. Aber irgendwie klang das alles schon nach Nachruf, nach letzten Worte auf einen, der nicht mehr lebt und nun mit allerlei Blumen und Lobpreisungen zugeschüttet wird.
Udo Jürgens lebt aber immer noch, und wie! Am 30. September feiert er seinen 75 Geburtstag! Er sieht natürlich nicht mehr aus wie einst – aber frisch und vital. Fantasien von Altersheim und Ruhestand wollen sich einfach nicht einstellen. Auch wir hier haben ihn, den legendären ESC-Sieger von 1966, schon gewürdigt. Arte würdigte Jürgens bereits mit einem Porträt. Dort lassen die Filmemacher Hanns-Bruno Kammertöns und Irene Höfer Udo Jürgens nicht nur sehr lebendig zu Wort kommen  ja, sie vermögen es auch, die Magie einzufangen, die  vor seinen Konzerten, während seiner Vorstellungen und die Stunden der Antiklimax danach entsteht – aber noch feiner ist, dass sie Jürgens selbst erzählen lassen, dass sein über Kärnten hinaus reichender Ruhm 1966 in Luxemburg geboren wurde, damals, er als “Merci Chérie” für Österreich sang und ziemlich haushoch gewann.

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Österreich, ein Fall von Bitterkeit

23. September 2009

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Nichtwahl der österreichischen EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner zur UNESCO-Chefin – und der Absage des österreichischen Senders ORF für den ESC im kommenden Jahr? Dass die Ösis, ein beliebtes Klischee bedienend, beleidigt sind, weil die Welt
ihre Größe und Grazie nicht bemerken will? Denn zwar erklärte die ORF, mit den Kosten, die eine Teilhabe am ESC zur Folge hätten, würde man andere Programme lieber finanzieren. Schön und gut: Aber sollen diese, offiziellen Angaben zufolge, 400.000 Euro nützlich sein, ein ohnehin nur beschränkt interessantes Programmtableau aufzupeppen – quasi als Startgroschenhaufen? In Wahrheit, so sagt es der ORF, wolle man nicht teilnehmen, weil das Festival durch seine neue Regeln ruiniert sei, so heißt es wörtlich.

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Ist Erfolg garantiert?

10. Juni 2009

Hans R. Beierlein hat die kühlsten und klügsten Worte zum Eurovision Song Contest schon vor zehn Jahren formuliert: Wer glaube, ein Sieg sei so, als habe man im Showbusiness bereits einen Fuß in der Tür, irre. In Wahrheit sei ein Sieg nichts als die Chance, mehr als eine Zehe in die Pforte zu bekommen. Er konnte das aus eigener Erfahrung formulieren: Udo Jürgens war von 1963 an sein Schützling, er hat den berühmten Mann, nach eigener Aussage in Schwabing aufgelesen, vom Dasein als gehobener Hotel- und Barpianist befreit, aber zur Bedingung gemacht, dass er sich seinem Regime unterwerfe. Und das hatte folgendes Gesetz: Kein Schlager, alle Orientierung nur noch international, keine Billigware – und höchste Disziplin. Über Österreich verschaffte sich der Münchner Musikmanager das Entree zur Eurovision. Nach “Warum nur, warum?”. “Sag ihr, ich lass sie grüßen” und “Merci Cherie” war es geschafft: Udo Jürgens stand vor der Pforte – und Beierlein trieb ihn dazu, den Zeh nun nicht vor lauter Selbstbesoffenheit wegzuziehen. Kalkuliert wurde die Karriere von Udo Jürgens weiter gedacht – aus Udo Jürgens, dem ESC-Gewinner von 1966, wurde ein Popstar im deutschsprachigen, bisweilen auch im romanischen Bereich. Mehr aber sei nicht drin bei einem ESC-Sieg: Dann beginne, so Beierlein, erst die Arbeit.

Ich stelle mir das so vor: Eine brillante wissenschaftliche Arbeit macht noch keine intellektuelle Exzellenz, ein gutes Essen trägt noch nicht zum Ruf bei, gut kochen zu können – und eine freundliche Geste ist noch kein Billett zum Leumund, ein umgänglicher Mensch zu sein.

Jahr für Jahr, so will ich sagen, wird Eurovisionsgewinnern nachgesagt, sie seien Eintagsmotten. So sagte man über Abba, über Gigliola Cinquetti oder über Celine Dion. Zugegeben, manche pulverisierten ihre Energie mit dem Vortrag ihres Siegestitels am Ende eines ESC, Corinne Hermès, Tanel Padar & Dave Benton, Teddy Scholten oder Ruslana. Aber sie hatten wenigstens ihren goldenen Moment, was sie schon mal, um mal nach Deutschland zu blicken, von Maxi & Chris Garden, die Sangesdarsteller von Atlantis 2000 oder Leon unterschied.

Was aber wird nun aus Alexander Rybak? Sein “Fairytale” ist das kommerziell erfolgreichste ESC-Produkt seit “Save Your Kisses For Me”. In den Downloadcharts steht es in einer Fülle von Ländern ganz weit vorn, in einigen auf Platz 1. Und das Album? Ist jetzt auf dem Markt, und ich finde es hörbar. Es eignet sich prima für Zeltplatzbeschallung, Grillabende und Bootstörns von Gibraltar nach Bornholm, wenn man Anker gelegt hat. Es ist frische Musik, leicht skandinavisch, aber nicht allzu folkloristisch. Musik, die nicht stört, sozusagen, im Gegenteil.

Das ist, finde ich, die gute Botschaft aus diesem Jahrgang. Ob es eine schlechte ist, ob also Alexander Rybak in einem Jahr in der Abba-Liga spielen kann oder eher ästhetisch verraucht wie weiland Sandra Kim und womöglich als Kirmeseröffnungsnummer  endet, ist offen. Ich schätze aber: Der wird was!

Würdigung für ESC-Helden

17. April 2009

Das wurde auch Zeit! Der Kulturausschuss der Stadt Wien hatte ja schon voriges Jahr beschlossen, einen Platz nach der Grand-Prix-Sängerin Liane Augustin zu benennen. Nun ist er fertig. Der Augustinplatz liegt im siebten Bezirk der österreichischen Hauptstadt an der Ecke Neustiftgasse/Kellermanngasse.

Augustin, 1927 in Berlin geboren, 1978 mit 49 Jahren in Wien gestorben, war die zweite österreichische ESC-Interpretin, 1958 wurde sie unter Fünfte unter zehn Teilnehmerländern. Ihr Lied “Die ganze Welt braucht Liebe” zählt nicht gerade zu den berühmtesten Liedern der ESC-Antike, aber sie, eine Chanteuse alter Schule, hat sich in ihrer Heimat einen würdigen Platz in den Erinnerungen vieler erhalten, die mit ihr groß wurden.
Ich finde schön, dass die populäre Kultur in den Namensgebungen von Plätzen inzwischen in vielen Städten eine Rolle spielt – aber falls ich nicht misslich recherchiert habe: einen Walter-Andreas-Schwarz-Platz gibt es noch nicht, ebenso fehlt es an einer Heidi-Brühl-Gasse. Die allermeisten deutschen ESC-Teilnehmer leben ja noch, auch Freddy Quinn und Margot Hielscher. Ich hoffe, dass diese HeldInnen der Evergreens, zumal der ESC-Geschichte, eines Tages in der öffentlich-offiziellen Namensgebung eine Rolle spielen. Wien macht vor, wie das geht!

Echte Masochisten, die Österreicher

30. März 2009

Das ist der Stand der Nachrichten in Sachen Österreich bis neulich gewesen: Seit Udo Jürgens, der den einzigen Sieg für das verbliebene Kernland der Habsburger 1966 errang, seit Marianne Mendt, den Milestones, den Schmetterlingen oder Christina Simon hat dieses Land beim ESC weder besonders gut abgeschnitten, noch sonst wie einen nachhaltigen Eindruck in ästhetischer Hinsicht hinterlassen. Dieses Land fehlt beim ESC – wie es heißt – weil es sich nicht dem ungerechten Ostblock-Voting aussetzen will. In Wahrheit ist der ORF als öffentlich-rechtlicher Sender wohl eher unbegabt, gute KünstlerInnen zu entsenden. Man suhlt sich in Finanzkrisen, jammert und greint, macht aber zugleich die Formate kaputt, die es noch würdig übertragen kann.

Ein Schal für Österreich

Dass Österreich am 16. Mai aus Moskau zwar die Vergabe der Länderpunkte live übertragen will und die eigentliche Schau der 25 Finalisten erst nach dem Voting, mag mit den Quoten zu tun haben: Die Wertung hat in allen Ländern einen unschlagbar hohe Aufmerksamkeit – die Lieder, so scheint es, werden europaweit eher in Kauf genommen als genossen oder verspottet oder desinteressiert von einem Ohr zum anderen durchgewunken. Aber die österreichische Entscheidung zerstört das Interesse am Event überhaupt: Denn ohne den Stoff, über den das Publikum wie die Juroren abstimmen, macht ja keine Wertung Sinn. Das ist ungefähr so, als würde man ein Skirennen nicht übertragen, jedenfalls nicht gleich, sondern zunächst die Siegerehrung ins Bild setzen. So wird aus dem ESC in Österreich ein groteskes Unterfangen: Hat man bislang schon wenig Publikumsinteresse generiert, werden nun endgültig die verbliebenen Zuschauer vergrätzt.

Österreich brutzelt lieber im eigenen Saft und ignoriert das, was aus Europa kommen kann. Impulse von außen hat man lieber nicht so gern auf dem Radar. Mehr noch: Man will sie nicht zur Kenntnis nehmen. Die Österreicher verabscheuen den ESC, weil sie, anders als beim alpinen Skisport, nicht mehr automatisch gut abschneiden. Sie bleiben lieber draußen, sie verhöhnen die anderen und verhöhnen damit nur den Anspruch auf Weltläufigkeit. Österreich – so gesehen – war, ist und bleibt – Provinz!