War doch klar, oder?
18. Februar 2011Um 21:55 Uhr war die erste Entscheidung gefallen – und sie hat bei mir Wohlgefallen ausgelöst: Stefan Raab wird den ESC in Düsseldorf moderieren, denn die beiden Songs des Finalabends, die der TV Total-Maestro und Lena Meyer-Landrut selbst in die Waagschale geworfen hatten, waren auf der Strecke geblieben - sowohl “Mama Told Me” als auch “What Happened To Me”. Wäre ein Raab-gefertigter Act gen Düsseldorf gezogen, hätte er nicht den Düsseldorfer Abend dirigierend dürfen.

Nun ja! Das war schon okay, zumal “Push Forward” und “Taken By A Stranger” jene Songs waren, die Lena, so mein Gefühl, mit der stärksten Präsenz interpretiert hatte.
Der Sieg des “Peter und der Wolf”-Entwurfs der Jetztzeit, wie Raab frotzelte, geht in Ordnung. Aber die 79 Prozent in der Endrunde gegen “Push Forward” (21 Prozent, klar) waren auch der offenen Fürsprache durch die Jury, ja, der krassen Beeinflussung des Publikums geschuldet. Ich finde, das hätte neutraler geäußert werden können. Im Grunde war irgendwie immer klar: “Taken By A Stranger” sollte es werden. Das ist, nun ja, zumindest ein Angriff auf die Idee des Wettkampfs gewesen – so war mein Moment der Freude irgendwie heftig getrübt.
Das waren die wichtigsten Informationen. Und der Rest? Die Schöneberger und das zweite Ich aus Ich + Ich machten im Angesicht Raabs ihren Job leidlich okay. Nicht zu viel Aufmüpfigkeit, die Schöneberger machte freilich aus ihrer Sehnsucht nach einer Ballade kein Geheimnis. Es hätte schlimmer kommen können. Falsch aber ist, das möchte man doch allen Juroren für die Zukunft sagen, dass ruhige Lieder chancenlos sind in einem “Gemetzel” der vielen Acts bei einem ESC, wie Raab betonte. Wir lernen: Klischees sind nur schwer aus der Welt zu schaffen.
Ich würde sagen, es war ein Versuch, eine Chanteuse allein eine Vorentscheidung bestreiten zu lassen. Nach dem Motto: Sie kann sich nur selbst schlagen und zugleich gewinnen. Ich würde sagen: Es war, wie Raab selbst vor Tagen raunte, “vielleicht eine beschissene Idee”. Nee, so grob würde ich es nicht formulieren. Aber: Dieses Format bitte erst in größter Zukunft wiederholen.
Ihre Zukunft in Düsseldorf? Sie wird vorne landen, dafür wird schon die Choreografie sorgen. Aber gewinnen? Eventuell war das nie ihre Absicht und die ihres Teams im Background.









Jan Feddersen verfolgt den ESC seit seiner Kindheit. In Hamburg geboren und aufgewachsen, sah er dort seinen ersten Grand Prix. Er hat unzählige Entscheidungen vor dem Fernseher verfolgt, seit vielen Jahren reist er zum Finale des Eurovision Song Contest, um von dort zu berichten und zu bloggen.