Wie es um den VfL Bochum genau steht, weiß man ja nie so genau: Wahrscheinlich steigen sie diese Saison nicht ab weil sie, “unkaputtbar” sind, wie es im Ruhrpott heißt. Sicher ist allerdings, dass der Sonnabend mit dem ESC einmal mehr für die ARD das wichtigste Showformat jenseits der Volksmusik war. Die Quoten - nicht so klasse wie einst bei Michelle oder Texas Lightning. Aber dafür, dass es keinen Vorentscheid gab, konnten Alex Christensen und Oscar Loya ziemlich gut mobilisieren.
Die Medien am Tag oder zwei Tage danach klingen fast durchweg hämisch. Leider. Die Tagesschau zeigte abermals Alexander Rybak als Sieger von Moskau, aber die papiernen Medien waren einmal mehr en gros wie meist auch en detail kenntnisfrei berichterstattend. Immerhin, die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” hatte so opulent wie kein anderes Blatt berichtet, die “Frankfuter Rundschau” immerhin mokierte sich, ich finde zutreffend, über die Äußerung des deutschrussischen Schriftstellers Wladimir Kaminer, die dieser in der ARD-Grand-Prix-Party mitteilte. Dass es mit der Homophobie, angesprochen auf den zerschlagenen CSD am Vormittag vor dem abendlichen ESC-Finales, nicht weit her sei, das werde sich wohl bald ändern. Nun, das hört man von einem, der in dieser Hinsicht noch nie fürchten musste, von Miliz wie Polizei behelligt zu werden, doch ungern. Keine echte Ahnung von der Atmosphäre an Ort und Stelle, aber aus der ganz gemütlichen Sofaecke, einer deutschen, liberal gesinnten zumal, mal kurz das Weltgeschehen analytisch auf den Kopf stellen. Man wird seine Moskauer Geschichten wohl künftig mit leichten inneren Blessuren lesen müssen. Das Berliner Boulevardblatt “B.Z.” schrieb: “Außer Teese alles Käse”. Man wüsste gern, ob es für diese Herrenwitzstabreimerei redaktionsintern einen Schnaps gab oder gleich zwei. Als ob alle Welt auf die Burlesktänzerin stierte – wenigstens hätte man sich von dieser Zeitung einen Reim gewünscht, weshalb Dita von Teese doch nicht so zog. Weil sie sich fast auszog?
Der Gewinner der Woche, besser: die Gewinner, sind Alex Christensen und Oscar Loya. Sie wollten gewinnen, sie gaben alles, sie hatten keine Chance. Na und? Das hatte Leidenschaft, und sie wurde nicht anerkannt. Ein Ehrenplatz für beide in der Hall of Fame des deutschen ESC, bitte!
Ich finde, dies vor meinen Bemerkungen zur heute deutlicher gewordenen deutschen ESC-Zukunft, sollte doch allen Rezensenten zu denken geben: 7,3 Millionen Zuschauer waren dabei. Vermutlich waren es sogar viel mehr, denn es werden immer nur Einzel-TV-Geräte gezählt – also nicht jene, die zu Parties kamen, beispielsweise in Hamburg St. Pauli vor der Großbildleinwand des NDR.
Und jetzt, so sickerte es durch durch die Süddeutsche Zeitung, will die ARD in Sachen ESC mit Stefan Raab alliieren? Warum nicht. Sein Bundesvision Song Contest, den er ohnehin nur ins Leben rief, weil er, beleidigt nach Max Mutzkes achtem Platz in Istanbul, war ja ohnehin längst ersehnt worden als eigentlicher Vorentscheid. Nur ein Bedenken habe ich: Haben bei einem solchen Castingwettbewerb um den glühendsten Hunger nach internationalem Erfolg auch bislang unbekannte Performer eine Chance? Kriegen jene mal eine Chance, die wie Alexander Rybak oder die Isländerin Yohanna nicht schon durch die Bohlen- oder Klum-Schreddermaschine gegangen sind? Die Idee, die bald spruchreif sein soll, als solche klingt gut. Schon weil Raab einer der besten ESC-Kenner ist – und weil er schon hinter Guildo Horn und selbst auf der Bühne 2000 in Stockholm und 2004 in Istanbul als Musiker auf der Akustikgitarre bei Max Mutze.